Nasgitel. Panas, legi, kentel.

Abend in Zentraljava. Am Straßenrand steht ein angkringan, ein Holzkarren mit Petroleumlampe. Drei Bänke aus Holz, halb besetzt. Auf dem Rost glüht die Holzkohle, eine Hand fächelt die Glut. Im Kessel kocht das Wasser, Dampf steht über dem Karren. Auf den Tabletts liegen kleine Reispäckchen, Spieße, Frittiertes. Vor den Gästen stehen halbleere Gläser. Motorräder ziehen vorbei. Die Luft bleibt feucht und riecht nach Kohle und Nelken.

Auf der Bank bleibt ein Platz frei. Ein Glas wird gefüllt und auf eine Untertasse gestellt. Es steht zu heiß zum Anfassen.

Das Glas steht noch zu heiß auf der Untertasse, und solange es dampft und nach Jasmin riecht, bleibt der Blick an einem Mädchen mit dünnem Zopf hängen, das sich über einen Müllhaufen beugt und leere Flaschen herauszieht, mager, gekrümmt, wie eine junge Katze.

Der erste Schluck verbrüht beinahe die Lippe, Zucker zuerst, dann der Tee, dann hinten am Gaumen das Herbe, und auf der Zunge wird das Brennen zur Schärfe, scharf und süß zugleich. Noch immer zu heiß. Von weitem ein Dröhnen, tief und schwer, wie ein Ferrari, und es kommt kein Wagen, bis um die Ecke ein altes Motorradtaxi biegt, schwarzen Qualm hinter sich.

Schluck für Schluck kühlt das Glas, die Süße klebt im Hals und sitzt fest, Nasgitel belegt die Zunge, dunkel und klar, und geht nur langsam hinunter, und dazwischen aus einem klapprigen Radio eine blecherne Stimme, eine rote Katze, die sich unter der Bank putzt, der Rauch der Nelkenzigaretten über allem.

Beim letzten Drittel stimmt die Wärme, die Straße verschwindet, nur noch das Glas. Die Zähne stumpf von der Süße, geht der letzte Schluck dick und langsam hinunter und liegt im Magen wie eine Zuckerbombe.

Drei Wörter stehen für dieses Glas. Panas, legi, kentel. Heiß, süß, stark. Aus den ersten Silben wird ein Name, Nasgitel. So heißt es in Solo, in Yogyakarta, in ganz Zentraljava. Kein Anbaugebiet im Namen, kein Jahrgang, keine Sorte, kein Pflückgrad. Der Name nennt, was die Zunge findet, und sonst nichts. Ein längerer Name zählt fünf Wörter, Wasgitel, mit wangi und sepet dazu, duftend und herb.

Am Karren öffnen sich mehrere Päckchen. Gopek, Dandang, 999. Aus jedem wird ein Löffel genommen, in eine Kanne gegeben, mit kochendem Wasser übergossen. Eines gibt die Farbe, eines die Herbe, eines den Jasmin. Das Maß bleibt das Geheimnis jeder Bank. Auf einem Teller liegt nasi kucing, eine Handvoll Reis im Bananenblatt, daneben ein Spieß. Gegessen wird mit den Fingern, getrunken in kleinen Schlucken. Es sind die billigsten Tüten aus dem Laden nebenan.

Das Glas leert sich, der Zucker ist hinunter, der Satz liegt am Boden. Auf der Bank wird ein Platz frei, ein Neuer setzt sich. Auf dem Rost glüht die Kohle weiter, im Kessel kocht das Wasser, am Karren liegen die drei Päckchen noch offen. Kein Ritus, keine Stunde, kein Anlass. Jeden Abend dasselbe, ein Glas nach dem anderen, heiß, süß, stark.

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Sanpaotai
吃茶去