Sadō. Stein, Moos, Zeit.

I. 苔 — Moos

Stein. Darauf Moos. Nicht ein Sommer alt, nicht zwei. Aus einem Jahr, das niemand mehr nennt.

Der Tee in Japan wächst, wie das Moos wächst. Auf Stein. Im Schatten. Über Zeit.

Drei Namen trägt dieselbe Sache. Sadō 茶道, der Weg des Tees. Chadō 茶道, dasselbe in einer anderen Lesung. Chanoyu 茶の湯, das heiße Wasser des Tees, näher am Tun. Im folgenden steht Sadō. Es geht um das Ganze.

Zwölfhundert Jahre alt. Woher er kam, wer ihn herübertrug, wer in einem Frühling 1591 mit seinem Leben das Siegel daraufdrückte, steht anderswo auf cha-yu.de. Diese Geschichte bleibt dort. Hier folgt eine andere.

Heute. Reiwa 8. Das Jahr 2026.

Die drei Häuser der Sen-Familie stehen in Kyōto, an derselben Gasse seit dem siebzehnten Jahrhundert. Die eisernen Kessel sieden. Manches dünner, manches alt, manches neu. Im deutschsprachigen Raum findet sich der Tee in München, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Wien, Zürich. Weiter unten steht, wo.

Zuerst aber die Häuser selbst.


II. 三つの庭 — Drei Gärten

In Kyōto, im Viertel Kamigyō, eine schmale Gasse, die Ogawa-dōri 小川通 heißt, der Bach-Weg. An ihr stehen drei Häuser, einander zugewandt, von hohen Lehmwänden getrennt. Hinter den Mauern Gärten. In jedem Garten ein Teeraum. In jedem Teeraum derselbe Tee, und doch ein anderer. Drei Brüder gründeten diese drei Häuser im siebzehnten Jahrhundert. Sie waren die Enkel des Enkels von Sen no Rikyū, dem Mann, der den japanischen Teeweg auf seinen Punkt brachte und im Frühling 1591 mit seinem Leben dafür bezahlte. Was die drei Brüder teilten, hieß alles. Was sie trennten, hieß wenig. Drei Iemoto 家元 entstanden so, drei Stammhäuser einer Überlieferung, und jedes nahm einen anderen Ton an.

Das vordere Haus, vom Bach her gesehen, Omote-senke 表千家. Omote heißt vorne. Sein Teeraum heißt Fushin-an 不審菴, die Hütte des Hinterfragens. Vier Tatami und ein halbes, Lehmwände, eine Schwelle so niedrig, daß auch ein Daimyō sich beugen muß, ehe er hineintritt. Die fünfzehnte Generation lebt heute darin, Yūyūsai, der heutige Sen Sōsa. Er übernahm das Amt am 28. Februar 2018, an Rikyūs Todestag, von seinem Vater Jimyōsai, der seither den Namen Sen Sōtan trägt und im Ruhestand bleibt. Der Tee dieser Schule ist still. Der Schaum auf der Schale fast nicht geschlagen. Die Frauen knien mit geschlossenen Knien. Das Gewand gedeckt in der Farbe. Hier hat das Wabi 侘び seine zurückhaltende Gestalt gefunden, und in vierhundert Jahren nicht ein Tatami davon verrückt.

Hinter dem vorderen Haus liegt das hintere, Ura-senke 裏千家, ura heißt hinten. Sein Teeraum heißt Konnichi-an 今日庵, die Hütte des Heute. Drei Tatami, Lehmwände, ein Kessel im Boden eingelassen, gebaut von einem Mann, der sich selbst Kojiki Sōtan nannte, Sōtan der Bettler. Heute lebt darin der sechzehnte Iemoto, Zabōsai, der heutige Sen Sōshitsu XVI. Sein Vater, der fünfzehnte, hieß Hōunsai, und der ist am 14. August 2025 in Kyōto gestorben, hundertzwei Jahre alt, also vor einem reichlichen Jahr. 1944, mit einundzwanzig, war er zum Piloten der Sonderangriffstruppe einberufen, und in der Tasche seines Overalls trug er einen Bambuskorb mit einer Schale, einem Bambusbesen, einer kleinen Dose Pulver. Der Befehl zum letzten Flug kam nicht. Die Schale blieb. Nach dem Krieg gründete er die Tankōkai 淡交会 in der Gestalt, die sie heute trägt, machte über dreihundert Reisen ins Ausland und pflanzte den Tee dorthin, wo nie Tee gestanden hatte. Nach Hawaii, nach Boston, nach Berlin, nach Sao Paulo. Ura-senke trägt heute die meisten Schüler des japanischen Teewegs. Mehr als die Hälfte aller Lernenden in Japan gehört ihr an, im Inland 165 Distrikte, im Ausland 113 Tankōkai-Vereine in 38 Ländern. Der Schaum auf der Schale ist hier dichter als beim Bruderhaus, hellgrün, geschlagen bis fast an den Rand. Die Knie leicht offen. Das Gewand farbiger. Dasselbe Wabi. Eines, das gelernt hat, zur Welt zu sprechen.

Einige hundert Schritte östlich der beiden Bruderhäuser, an einer Gasse, die Mushakōji-dōri 武者小路通 heißt, die Gasse der Krieger, steht das dritte Haus. Vom Straßennamen kommt der Hausname, Mushakōji-senke 武者小路千家. Sein Teeraum heißt Kankyū-an 官休庵, die Hütte, in der der Amtsmann ruht. Der Gründer, Ichi-ō, hatte aus dem Dienst eines Daimyō den Hut genommen, ehe er die Schule gründete, und seine Hütte spricht es aus. In der vierzehnten Generation lebt darin Futessai, der heutige Sen Sōshu. Sein Sohn trägt schon den Erbnamen Sōya und wartet auf die fünfzehnte Generation. Die kleinste der drei Schulen, auch die strengste. Wo Ura-senke sich der Welt öffnet, hält Mushakōji-senke die alten Formen, fast Wort für Wort von der ersten Generation an. Die Teeräume schlicht bis zur Kargheit. Das Gewand gedeckt. Der Schaum kaum geschlagen. Hier lebt das Wabi unverdünnt. Wie Rikyū es hinterließ, ehe spätere Hände es in Schulen zerlegten.

Neben den drei Senke aber lebt eine andere Linie, die der Krieger. Als im siebzehnten Jahrhundert die Bürgerkriege endeten und die Daimyō ihre Schwerter ablegten, traten viele von ihnen in den Teeweg ein und gründeten eigene Schulen. Yabunouchi-ryū 薮内流, in Kyōto, mit dem Teeraum Ennan, die älteste außerhalb der Senke, streng, mit kriegerischer Geste. Enshū-ryū 遠州流, von Kobori Enshū begründet, der seinen Stil kirei-sabi nannte, den eleganten Sabi, heller, feiner, mit Anmut. Sekishū-ryū 石州流 vom Daimyō Katagiri Sekishū, Teemeister des vierten Tokugawa-Shōgun, bis ins zwanzigste Jahrhundert die Schule der Hochadeligen. Ueda Sōko-ryū 上田宗箇流 mit dem Haupthaus in Hiroshima. Diese und einige weitere Schulen leben weiter, kleiner als die Senke, ihre Lehrer schwerer zu finden, ihre Lizenzen anders aufgebaut.

Von außen sieht der Unterschied zwischen den Schulen wie nichts aus. Die Falte des Fukusa, der Abstand der Knie, die Tiefe des Schaums in der Schale, die Reihenfolge der Gerätschaften auf der Matte. Von innen erkennt man die Schule am ersten Wassergeräusch.


III. 足の痛み — Der Schmerz der Knie

Der Teeweg beginnt mit den Knien. Seiza 正座 heißt die Haltung, in der gelernt wird. Die Füße mit dem Rist nach unten. Das Gesäß auf den Fersen. Die Knie geschlossen oder leicht offen, je nach Schule. Der Rücken gerade. Die Hände auf den Oberschenkeln. In dieser Haltung sitzt man eine Stunde, zwei Stunden, vier. Die Füße schlafen ein, die Knie schmerzen, der Rücken meldet sich. Der Schmerz bleibt und vertieft sich. Er gehört zum Tee wie das Wasser im Kessel.

Ein Nachmittag im April, ein Keiko-Raum in einem Wohnhaus in Tōkyō. Drei Schülerinnen knien seit zwei Stunden, die jüngste eine Studentin im dritten Jahr. Als das Keiko zu Ende geht und sie aufstehen soll, bleiben ihre Beine, wo sie waren. Die Sensei sagt nichts. Sie ist in den Sechzigern, im gedeckten Kimono. Sie beugt sich. Streckt die Hand aus. Hebt die Studentin auf. Der Tee geht weiter.

Der Lehrer heißt Sensei 先生. Man findet ihn durch Empfehlung, durch eine Anfrage beim örtlichen Tankōkai-Verein, durch das Angebot eines Kulturzentrums. Im deutschsprachigen Raum führt der Weg meist über die Vereine der Ura-senke, deren Adressen weiter unten stehen. Der Lehrer unterrichtet in seinem Haus, in einem geliehenen Teeraum oder in einem öffentlichen Kulturzentrum. Eine Gruppe besteht aus drei bis acht Schülern, jeder bereitet abwechselnd den Tee, die anderen sitzen als Gäste. Eine solche Sitzung heißt Keiko 稽古. Sie dauert zwei bis drei Stunden, einmal in der Woche.

In Japan kostet ein Monat Keiko zwischen 8 000 und 15 000 Yen, in Tōkyō bei einem namhaften Lehrer auch dreißigtausend. Hinzu kommen zwei Geschenke im Jahr. Chūgen 中元 zur Sommerwende, Seibo 歳暮 zum Jahreswechsel. Üblich je ein Monatsbeitrag. Im deutschsprachigen Raum rechnet sich das in Euro, fünfzig bis hundertfünfzig im Monat, je nach Stadt und Lehrer.

Der Teeweg verleiht keine Grade. Er verleiht Kyōjō 許状. Erlaubnisscheine. Ein Kyōjō bestätigt nicht, daß ein Schüler etwas gelernt hat. Es erlaubt ihm, etwas Neues zu lernen. Ohne diesen Schein dürfen die nächsthöheren Bewegungen nicht geübt werden. In der Ura-senke führt die Leiter siebzehn Sprossen hoch und verjüngt sich nach oben. Unten sitzt die Eingangstrias. Nyūmon 入門. Konarai 小習. Chabakodate 茶箱点. Diese drei werden mit dem Eintritt einberufen. Darüber kommen die fünf Stücke der Shikaden 四ヶ伝. Chatsūbako. Karamono. Daitenmoku. Bondate. Wakinden. Darüber die Okuden 奥伝, die Tiefen-Überlieferungen, Gyō no gyō dai-su und Daien no sō. Und ganz oben, weit über allem, Shin no daisu 真之台子, der wahre Untersatz. Manche Sensei sehen den Shin no daisu nach vierzig Jahren zum ersten Mal.

Jedes Kyōjō fordert eine Gebühr an das Stammhaus in Kyōto. Die ersten kosten zehn- bis dreißigtausend Yen, die mittleren fünfzig- bis hunderttausend, die höchsten mehrere hunderttausend das Stück. Hinzu kommt jedesmal eine Gabe an den Lehrer, üblicherweise in derselben Höhe wie die Stammhausgebühr. Also das Doppelte des offiziellen Tarifs. So wandert das Geld in zwei Bächen, einer nach Kyōto, einer in die Hand des Sensei.

Vom Nyūmon bis zum Recht, selbst zu lehren, vergehen in der Regel sieben bis fünfzehn Jahre. Das Recht heißt Kyōju 教授. Über die Jahre addieren sich die Gebühren auf eine halbe Million bis drei Millionen Yen, umgerechnet drei- bis neunzehntausend Euro. Im deutschsprachigen Raum ähnlich, manchmal etwas niedriger.

Im deutschsprachigen Raum lebt das Sensei-System ähnlich, nur kleiner. Die Ura-senke unterhält neun Vereine in Deutschland, je einen in Wien und Zürich, einige weitere in der Schweiz. Ein neuer Schüler bekommt zunächst einen Lehrer zugewiesen, beginnt mit dem Nyūmon und steigt, falls die Knie aushalten, von Sprosse zu Sprosse. Die Kyōjō werden über die deutschen Vereine bei Kyōto beantragt und in japanischer Schrift ausgefertigt. Das Papier in Wien sieht am Ende genauso aus wie das Papier in Kyōto.

Was hier wächst, wächst langsam wie Moos. Die meisten Schüler hören nach drei oder fünf Jahren wieder auf. Die Knie geben zuerst nach. Dann der Beruf. Dann das Leben anderswo. Manche Lehrer der deutschen Vereine gehen jede Woche ins Keiko. Sie tun das seit dreißig Jahren. Wie man sonst zur Messe geht.


IV. 碗、筅、杓 — Schale, Besen, Löffel

Vier Tatami und ein halbes. So groß ist der klassische Teeraum, den Rikyū für das Sōan-Modell festlegte. Chashitsu 茶室 heißt er. Tatami 畳 sind die Strohmatten, je etwa neunzig auf einhundertachtzig Zentimeter. Manche Teeräume sind kleiner, drei Matten, zweieinhalb, gar nur anderthalb für die strengsten Sōan 草庵. Die Strohhütten, in denen kaum zwei Menschen einander gegenübersitzen können, ohne sich mit den Knien zu berühren. Andere sind größer, acht oder zehn Matten für das Hiroma 広間, den weiten Raum, wo eine größere Runde Gäste empfangen wird. Die meisten Räume aber sind vier Matten und ein halbes. Rikyū wollte es so. Es hält sich.

Vor dem Teeraum liegt der Garten. Roji 露地 heißt der Pfad durch ihn. Tauboden. Er besteht aus unregelmäßigen Steinen. Tobi-ishi 飛石. Sie sind in Moos und feuchten Boden eingelassen, in Abständen, die den Gast zwingen, langsam zu gehen und den Blick zu senken. Am Ende des Pfades steht ein steinernes Becken, Tsukubai 蹲踞, dessen Rand so niedrig sitzt, daß man sich beugen muß, um daraus mit einer Bambusschöpfe zu trinken. Hände werden gewaschen, der Mund gespült. Das Wasser sinkt in die Erde. Mit ihm der Staub von draußen.

Dann der Eingang. Nijiriguchi 躙口 heißt die niedrige Tür, sechsundsechzig Zentimeter hoch, sechzig breit, von Rikyū aus einer Fischerhütte abgeschaut. Vor ihr legt der Krieger das Schwert ab. Mit Schwert paßt er nicht hindurch. Er kniet, schiebt die Hände voraus, kriecht hinein. Im Inneren richtet er sich auf und sieht den Raum. Lehmwände. Strohmatten. In der einen Ecke der Tokonoma 床の間, die Nische, an deren Wand eine einzige Schriftrolle hängt, Kakemono 掛物, und vor der eine einzige Blume steht, Chabana 茶花, je nach Jahreszeit. In den Wintermonaten von November bis April liegt der Kessel in einem Loch im Boden. Ro 炉 heißt es. Die Wärme steigt von dort nach oben in den Raum. In den Sommermonaten wird der Kessel auf einem tragbaren Untersatz aus Bronze oder Eisen erhöht. Furo 風炉 heißt der. Die Hitze hält sich weiter vom Gast entfernt. Zwei Kessel, zwei Jahreshälften, derselbe Tee.

Der Kessel selbst heißt Chagama 茶釜. Aus Gußeisen, schwarz und schwer, mit unebener Oberfläche. Manche Stücke sind seit dem siebzehnten Jahrhundert in Gebrauch. Sie tragen den Klang der Generationen in ihrer Wand. Aus dem Kessel wird das Wasser mit einer langen Bambusschöpfe geschöpft, Hishaku 柄杓. Frisches kaltes Wasser für den Kessel wird in einem Tongefäß bereitgehalten, Mizusashi 水指, das auf der Tatami neben dem Kessel steht. Verbrauchtes Wasser kommt in das Kensui 建水, das Abwasserschälchen, am Rand der Mattenfuge.

Im Zentrum die Schale. Chawan 茶碗. Drei große Linien lassen sich unterscheiden. Karamono 唐物 zuerst, die chinesischen Schalen, am ältesten und am teuersten, in dunkler Tenmoku-Glasur, im Mittelalter aus den Öfen Jian in Fujian importiert. Kōraimono 高麗物 dann, die koreanischen Schalen, im sechzehnten Jahrhundert von Rikyū entdeckt, Ido 井戸 und Kohiki 粉引 die bekanntesten Formen, grob, ungleichmäßig, aus den Reisbauern-Werkstätten der Joseon-Zeit. Schließlich Wamono 和物, die japanischen Schalen, von Rikyū bei einem koreanischstämmigen Töpfer in Kyōto in Auftrag gegeben, Raku 楽 das ursprüngliche Format, später Hagi, Karatsu, Oribe, Shino. Im Sommer reicht der Wirt eine flache, weite Schale, Hira-jawan 平茶碗, deren Oberfläche schnell Wärme abgibt. Im Winter eine schmale, hohe, Tsutsu-jawan 筒茶碗, die das Pulver lang warm hält.

Auf der Schale wird das Pulver mit einem Besen aus Bambus geschlagen. Chasen 茶筅. Er wird aus einem einzigen Stück Bambus geschnitten. Das untere Ende ist in Spitzen aufgeteilt. Die Zahl der Spitzen verrät Schule und Zweck. Zweiundsiebzig, achtzig, hundert, hundertzwanzig. In Takayama, einem Dorf am Fuß des Berges Ikoma in der Nähe von Nara, leben heute noch acht Familien, die Chasen herstellen. Die Familie Tanimura ist in der zwanzigsten Generation. Ein Bambusrohr wird drei Jahre alt geschnitten, zwei Monate in der Sonne getrocknet, dann zwei Jahre im Schatten gelagert, ehe es zu einem Besen wird. Die Spitzen werden auf dreißig Mikrometer dünn geschnitten. Eine Stunde Handarbeit. Ein Besen. Nach hundert Verwendungen ist er hin und wird im Frühling am Tempel verbrannt, wie eine ausgediente Pinselspitze.

Daneben liegen die kleineren Geräte. Chashaku 茶杓, der Löffel, aus Bambus oder Elfenbein, jedes Stück mit einem eigenen Namen, oft vom Hersteller mit einer Tuschsignatur versehen. Natsume 棗, das Lackgefäß, in dem das Pulver für den dünnen Tee aufbewahrt wird, klein, rund, schwarz oder braun glänzend, in der Form einer Dattel, daher der Name. Chaire 茶入, das keramische Gefäß für das Pulver des dichten Tees, von einem Stoffbeutel umhüllt, dem Shifuku 仕覆. Aus alten Seidenstücken genäht. Manchmal aus Stoffen hundert Jahre älter als das Gefäß darin.

Was die Gäste selbst tragen, ist klein. Fukusa 袱紗, ein quadratisches Stück Seide in einer schultergerechten Größe, in das Schulterfächer gefaltet, mit dem der Wirt die Geräte vor Gebrauch reinigt. Frauen tragen das rote, Männer das violette. Kobukusa 古袱紗, ein noch kleineres Stück Seide, das der Gast unter die Schale legt, ehe er sie zum Mund führt. Sensu 扇子, ein zusammenklappbarer Fächer, der vor dem eigenen Knie auf die Matte gelegt wird wie eine Grenze zwischen dem eigenen Platz und dem Raum dahinter. Kaishi 懐紙, weiße Papierblätter, die im Kimono getragen werden. Um Süßigkeiten darauf zu legen, um den Rand der Schale nach dem Trinken abzuwischen, um zu schreiben, wenn ein Gedicht aufkommt.

So steht die Bühne. Zwanzig Gegenstände, kaum mehr, jeder mit einem eigenen Namen, einem eigenen Platz, einer eigenen Geschichte. Vier Stunden lang werden sie eine nach der anderen in die Hand genommen. Damit beginnt die nächste Geschichte.


V. 四時間 — Vier Stunden

Ein Chaji 茶事 dauert vier Stunden. Vom Eintritt in den Vorhof bis zum letzten Verbeugen am Tor des Wirtshauses vergeht der Nachmittag. Im Winter beginnt es um halb zwölf, im Sommer früher. Drei bis fünf Gäste sind geladen, mehr nicht. Diese Beschreibung folgt der Form Shōgo no Chaji 正午の茶事, dem Hauptmittag-Teeevent, in der Ro-Zeit von November bis April. Andere Formen gibt es. Am Morgen, am Abend, in der Nacht. Aber das Shōgo no Chaji bildet die Grundform. Alle anderen Formen leiten sich davon ab.

Yoritsuki. Der Vorraum

Die Gäste kommen einzeln an. Sie betreten den Vorraum, Yoritsuki 寄付, ziehen den Mantel aus, legen die Straßenschuhe ab, tauschen die mitgebrachten weißen Tabi 足袋, die Sockenhandschuhe, gegen frische. Eine Bedienung reicht ihnen heißes Wasser in kleinen Schalen. Ungezuckert. Mit einem Hauch Salz. Sayu 白湯. Sie trinken es schweigend. In der Stille hören sie, wie der Wirt im Inneren des Hauses Kohle zerteilt. Sie warten.

Nach kurzer Zeit öffnet sich eine Schiebetür. Der Wirt erscheint im Hof, im dunklen Kimono, ohne ein Wort. Er verneigt sich. Die Gäste verneigen sich. Die Begrüßung ist erfolgt. Sie verlassen den Vorraum, treten in den Garten, gehen den Roji hinunter. Die Steine werden sorgfältig gesetzt. Die Sohlen werden feucht. Am Tsukubai beugen sie sich, schöpfen Wasser, waschen die linke Hand, die rechte, spülen den Mund, gießen den Rest über den Stiel der Schöpfe zurück. Dann gehen sie weiter zum Nijiriguchi. Der erste der Gäste heißt Shōkyaku 正客, der Hauptgast. Er zieht die Strohsandalen aus, kniet vor der niedrigen Tür, beugt den Kopf, schiebt sich mit den Knien vorwärts. Das heißt nijiru 躙る. Die Tür hat ihren Namen von dieser Bewegung. Innen dreht er sich um, legt die Sandalen mit der Sohle zur Wand. Dann betrachtet er den Raum, ohne aufzustehen. Die anderen folgen in der vereinbarten Reihenfolge.

Shozumi und Kaiseki. Kohle und Mahl

Im Inneren tut jeder Gast dasselbe. Er kniet vor dem Tokonoma. Betrachtet die Schriftrolle. Die Worte sind für diesen Tag gewählt. Vielleicht ein Satz aus dem Sutra. Vielleicht ein Vers. Vielleicht nur ein einziges Zeichen, Mu 無, das Nichts. Er kniet vor dem Ro und betrachtet den Kessel. Dann setzt er sich auf seinen Platz auf der Matte. Wenn alle sitzen, kommt der Wirt herein, verneigt sich tief, sagt einen kurzen Willkommensspruch und beginnt mit dem Shozumi 初炭, der ersten Kohlearbeit. Er nimmt mit einer Eisenzange die Kohlestücke aus der Kohlebox, legt sie eines nach dem anderen in das Ro, in einer Anordnung, die den Brand drei Stunden lang halten soll. Er streut Asche darauf, fast unsichtbar, mit einer kleinen Schaufel. Er räuchert ein Stück duftendes Holz. 香. Der Rauch legt sich auf die Tatami und zieht in den Raum. Der Geruch wird die nächste Stunde tragen.

Dann das Kaiseki 懐石. Eine Bedienung trägt die Schalen herein, eine nach der anderen, auf flachen Holztabletts. Jeder Gast hat sein eigenes Tablett vor den Knien. Das erste Tablett trägt drei Stücke. Mukōzuke 向付, eine kleine Schale mit rohem Fisch in saurer Marinade, am hinteren Rand des Tabletts. Eine Reisschale, halb mit Reis gefüllt. Eine Suppenschale mit Miso-Suppe und einem einzelnen Tofu-Würfel. Reisweinkaraffen werden gereicht. Die Gäste essen langsam, der Wirt hat das Ro im Blick. Dann kommt die Suppe in der zweiten Schale, Wanmori 椀盛, eine klare Brühe mit einem Stück gegrilltem Fisch, einem Pilz, einem Kraut. Dann Yakimono 焼物, gegrillter Fisch in einer flachen Schale. Sie wird von Gast zu Gast weitergereicht. Hassun 八寸, ein hölzernes Tablett mit zwei kleinen Speisen, eine vom Meer, eine vom Land. Der Wirt trägt es selbst und trinkt mit jedem Gast einen Schluck Reiswein. Zum Schluß Yutō 湯桶, eine Kanne mit heißem, leicht gesalzenem Reiswasser. Die Reste des Reises werden hineingerührt. Daneben ein eingelegter Rettich. Das Mahl ist beendet. Es hat eine Stunde gedauert, manchmal anderthalb.

Naka-dachi. Der Zwischenrückzug

Eine kleine Schale Süßes wird gereicht, Omogashi 主菓子, frisch zubereitet, oft eine süße Bohnenpaste in einer dünnen Reisteighülle, in der Form einer Pflaumenblüte oder eines fallenden Blattes, je nach Jahreszeit. Die Gäste essen sie auf einem kleinen Kaishi-Blatt. Sie ziehen es aus dem Kimono. Eine kleine Bambusspitze, von ihnen selbst mitgebracht, dient als Eßgerät. Wenn alle die Süßigkeit verzehrt haben, gibt der Wirt das Zeichen zum Naka-dachi 中立, zum Zwischenrückzug. Die Gäste verbeugen sich. Sie kriechen einer nach dem anderen wieder durch das Nijiriguchi hinaus. Im Hof setzen sie sich auf eine niedrige Bank, atmen die kalte Luft ein. Die Knie strecken sich. Es ist zwei Uhr nachmittags.

Während die Gäste auf der Bank atmen, arbeitet der Wirt im Teeraum. Er nimmt die Schriftrolle aus dem Tokonoma. An ihrer Stelle stellt er eine Vase. Chabana 茶花, die Teeblume, eine einzige Blüte mit einem Blatt, frisch geschnitten an diesem Morgen aus dem Garten. Eine Kamelie im Februar. Ein Zweig der Mume-Blüte im März. Eine Pfingstrose im Mai. Je nach Tag. Die Blume ersetzt das Wort. Der Raum hat seine Stimme gewechselt.

Ein Gong erklingt im Inneren. Dora 銅鑼. Fünf Schläge, vom hohen zum tiefen Ton hinunter und wieder hinauf. Die Gäste hören ihn auf der Bank. Sie stehen auf, gehen den Roji zurück, waschen sich erneut am Tsukubai, treten durch das Nijiriguchi. Sie knien vor dem Tokonoma. Sie sehen die Blume an der Wand. Vor dem Naka-dachi hing dort die Schriftrolle. Sie setzen sich auf ihre Plätze.

Koicha und Usucha. Dichter Tee und dünner Tee

Jetzt kommt der Koicha 濃茶, der dichte Tee. Der Wirt erscheint mit dem Chaire, dem keramischen Pulverbehälter, in seinem Seidenbeutel. Er entkleidet ihn vom Shifuku. Er wischt ihn mit dem Fukusa. Er nimmt mit dem Chashaku drei Löffel Pulver pro Gast und legt sie in die Schale. Er schöpft heißes Wasser, weniger als zum dünnen Tee, gerade so viel, daß das Pulver gerade nicht zu Sand wird. Er rührt mit dem Chasen langsam, in einer kreisenden Bewegung, ohne Schaum zu schlagen. Daraus entsteht eine dickflüssige Masse. Wie Honig. Dunkelgrün, fast schwarz. Drei Gramm Pulver auf dreißig Milliliter Wasser, pro Trinker. Vier oder fünf Trinker teilen eine einzige Schale.

Der Wirt stellt die Schale vor den Hauptgast. Der Hauptgast verbeugt sich, nimmt die Schale mit beiden Händen, legt sie auf seinen Fukusa, der vor seinen Knien liegt. Er dreht die Schale zweimal im Uhrzeigersinn, hundertachtzig Grad, damit das Vorderbild der Schale dem Wirt zugekehrt bleibt. Er trinkt einen Schluck. Dann einen zweiten. Dann hält er inne. Beim Koicha schmecken drei Gramm Pulver auf wenig Wasser anders als der Tee, den man zu Hause schlägt. Dichter. Bitterer. Konzentrierter. Es läßt sich kauen, kaum trinken. Er trinkt den dritten Schluck. Den halben vierten. Mit dem Daumen wischt er den Rand der Schale ab, dann mit einem Kaishi-Blatt. Er dreht die Schale zurück. Er reicht sie an den nächsten Gast.

An diesem Tag sitzt ein deutscher Gast in der Runde. Er ist seit acht Jahren Mitglied der Hamburger Tankōkai und steht in der Mitte der Shikaden-Sprossen. In Hamburg hat er das Koicha viele Male geübt, aber mit einer schwächeren Mischung, wie es im deutschen Sprachraum üblich ist. Jetzt nimmt er die Schale aus der Hand des Hauptgasts. Er stellt sie auf seinen Fukusa. Er dreht sie. Er trinkt. Beim ersten Schluck schmeckt er den Unterschied zum Tee aus Hamburg. Er trinkt den zweiten Schluck. Er hält die Schale eine Sekunde länger als nötig. Dann den dritten. Den halben vierten. Er wischt den Rand. Er reicht die Schale an seinen Nachbarn weiter. Der Wirt hat zugesehen, ohne ihn anzusehen.

Wenn der letzte Gast getrunken hat, reicht er die Schale an den Hauptgast zurück. Der Hauptgast betrachtet sie noch einmal. Er stellt sie zwischen sich und dem Wirt auf die Matte. Der Hauptgast fragt nach dem Chamei 茶銘, dem Namen des Tees. Der Wirt antwortet. Mukashi, vielleicht, der alte Name. Oder Hatsumukashi, der erste alte Name, eine spezielle Mischung des Hauses Ippōdō in Kyōto. Der Hauptgast fragt nach dem Tsume お詰, dem Teehaus. Der Wirt antwortet. Ippōdō. Oder Marukyū Koyamaen. Oder Yamamasa. Drei kurze Wechsel, kein Wort mehr. Die Schale wird zur Reinigung zurückgenommen.

Es folgt der Gozumi 後炭, der zweite Kohleabschnitt. Der Wirt erneuert die Kohlen für die zweite Hälfte des Nachmittags. Es geht schneller als beim Shozumi. Das Feuer steht schon gut. Dann das Usucha 薄茶, der dünne Tee. Ein anderes Pulver. Leichter, frischer, schaumiger. Jeder Gast bekommt seine eigene Schale. Der Wirt schlägt den Chasen schnell, in einer M-Bewegung, bis ein dichter, hellgrüner Schaum sich auf der Oberfläche bildet. Dazu Higashi 干菓子, kleine getrocknete Süßigkeiten. Eine zuckerharte Form, eine andere aus gepreßtem Bohnenmehl. Das Gespräch wird leichter. Der Hauptgast fragt nach den Geräten, der Wirt antwortet. Der Chashaku heute trägt einen eigenen Namen. Vielleicht Ko-no-mi 木の実, die Waldfrucht. Das Natsume ist aus dem siebzehnten Jahrhundert. Das Gespräch trägt eine Viertelstunde.

Dann verstummt es. Der Wirt verbeugt sich. Die Gäste verbeugen sich. Der Hauptgast sagt einen kurzen Spruch des Dankes, in dem das Wort Ichigo Ichie 一期一会 fällt. Diese Begegnung, dieser Augenblick, kommt nicht wieder. Ein Spruch, kein Gefühl. Die Gäste stehen auf, knien noch einmal vor dem Tokonoma, dann kriechen sie einer nach dem anderen wieder hinaus. Im Hof binden sie die Strohsandalen, verneigen sich am Tor, gehen. Der Wirt steht im Hof und sieht ihnen nach. Es ist halb vier nachmittags. Der Kessel im Ro dampft noch.


VI. 月釜 — Tsuki-gama

Das Chaji findet hinter geschlossenen Mauern statt, mit drei oder fünf geladenen Gästen. Daneben gibt es eine andere Form. Sie heißt Chakai 茶会, das Teebegegnen. Eine Eintrittskarte genügt. Die berühmteste Spielart heißt Tsuki-gama 月釜, der Mondkessel. An einem festen Tag im Monat, meistens dem achtundzwanzigsten, dem Todestag Rikyūs, kocht in einem Tempel oder einem Teezentrum das Wasser. Die Türen stehen offen.

Ein Vormittag im November in Kyōto, im Nordwesten der Stadt, das Tempelviertel Daitoku-ji 大徳寺. In mehreren Nebengebäuden sind heute Kessel aufgehängt. Shinju-an 真珠庵. Kohō-an 孤蓬庵. Sōken-in 総見院. Einige andere. Vor dem Tor stehen Schilder mit der Aufschrift Chaseki 茶席, Teesitz. Daneben ein Tisch. Ältere Damen verkaufen Karten. Tausend Yen. Eintausendzweihundert. Eintausendfünfhundert für den Tempel mit dem berühmten Kessel. Dazu ein Zettel mit der Nummer, in welcher Reihe man drankommt.

Die Gäste warten im Vorraum auf einer langen Holzbank. Frauen im Kimono. Der Knoten am Rücken sagt, wie lange sie ihn schon binden. Männer in dunklen Anzügen. Eine Schweizer Reisegruppe, die im Lonely Planet gelesen hat, daß es Tee gibt. Ein junger Japaner mit Aktentasche, vor seiner Hochzeit, eingewiesen von seiner Schwiegermutter. Wenn eine Sitzung zu Ende geht, öffnet sich die Schiebetür, die alten Gäste kommen heraus, die neuen knien sich vor die Tür und werden hineingerufen, zwanzig auf einmal.

Im Raum sitzen sie auf den Tatami, die Knie steif. Vorn der Tokonoma mit einer einzigen Schriftrolle, daneben ein gebogener Zweig in einer Vase. Der Wirt sitzt am Ro, schlägt das Usucha in einer Schale nach der anderen, sechzig Schalen am Vormittag, hundertzwanzig am Tag. Eine Bedienung bringt jedem Gast eine Süßigkeit auf einem kleinen Teller, dann eine Schale Tee. Der Tee heute ist der dünne, hellgrün, schäumend. Drei Schluck, ein halber, der Rand wird gewischt, die Schale zur Bedienung gegeben. Der Hauptgast, meistens jemand, der schon hundertmal hier war, fragt nach dem Spruch der Schriftrolle und dem Namen des Chashaku. Der Wirt antwortet kurz. Zwanzig Minuten, dann die nächste Schicht.

Vor dem Tempel atmen die alten Gäste die kalte Luft ein und gehen weiter zum nächsten Tor. Die Karte zum zweiten Sitz wird dort abgestempelt. Drei Sitze an einem Vormittag sind eine angenehme Strecke. Fünf werden anstrengend. Sieben sind möglich für den geübten Pilger.

Größere Formen heißen Ōyose-chakai 大寄せ茶会, die Großeingeladenen. Ein Schultag des Bezirksverbands der Ura-senke. Eine Gedenkfeier für einen verstorbenen Lehrer. Eine Eröffnung in einem Museum, das eine Sammlung von Teegeräten erwarb. Fünf bis sieben Sitze, dazu ein leichtes Mittagessen, Tenshin 点心, in einem Karton oder einer Lackbox. Vier-, fünftausend Yen, manchmal siebentausend. Hunderte Gäste an einem Tag, an Tagen wie dem Neujahr in einer großen Tempelhalle tausende.

Manche Anlässe sind ans Jahr gebunden. Hatsugama 初釜 im Januar, das erste Feuer des Jahres, der Wirt trägt ein besonderes Festgewand. Kuchikiri 口切 im November, der Anschnitt eines Tonkruges mit frisch geerntetem Pulvertee aus Uji, gewissermaßen das Neujahr des Teejahres. Hana-mi no chakai 花見の茶会 im April unter den Kirschbäumen. Tsukimi-no-chakai 月見の茶会 im Mittherbst beim Vollmond. Yukimi-no-chakai 雪見の茶会 im Winter, wenn frischer Schnee gefallen ist.

Das Nodate 野点 schließlich findet draußen statt, ohne Teeraum. Ein roter Filz wird auf den Rasen gelegt, der Kessel auf einem tragbaren Furo. Die Gäste setzen sich auf Bänke, manchmal auf den Filz. Frühling unter den Kirschbäumen des Maruyama-Parks in Kyōto. Sommer im Garten eines Tempels in Kamakura. Herbst in einem Vorgarten in München, beim Japan-Tag.

Im deutschsprachigen Raum gibt es kein Tsuki-gama in diesem Sinne. Aber es gibt verwandte Formen am Japan-Tag, im Museum, in der Volkshochschule. Eintritt frei oder fünf Euro. Süßigkeit und Tee. Wenig Sprache.

Das Chaji gehört dem Geübten. Das Chakai dem, der einmal vorbeikommen will. Ohne das Chakai gäbe es das Chaji nicht mehr. Am Anfang stehen eine Karte für tausend Yen und ein Platz in der Reihe.


VII. 値段 — Was eine Schale kostet

Im ersten Monat des Keiko braucht ein Schüler sechs Dinge. Fukusa, das gefaltete Seidentuch. Kobukusa, das kleinere darunter. Sensu, der Fächer. Kaishi, die weißen Blätter. Kashikiri 菓子切, das kleine Bambusmesser zum Schneiden der Süßigkeit. Fukusabasami 袱紗挟, der Stoffbeutel, in dem die anderen fünf getragen werden. Das Anfänger-Set in einem Teegeschäft in Tōkyō, Kyōto, Berlin oder Hamburg kostet zwischen zweitausend und zehntausend Yen, fünfzehn bis fünfundsechzig Euro. Damit ist die Tür offen.

Im zweiten Jahr fängt der Schüler an, Geräte für zu Hause zu kaufen. Eine Schale für den Hausgebrauch, gewöhnlich Keramik aus Hagi oder Karatsu, drei- bis achttausend Yen. Ein Chasen aus Takayama, sechshundert bis fünftausend Yen, je nach Anzahl der Spitzen. Ein Chashaku aus Bambus, fünfhundert bis dreitausend. Ein kleines Natsume aus Kunstharz, zweitausend, oder aus echtem Lack, zwanzigtausend. Ein Mizusashi-Tongefäß, fünf- bis fünfzehntausend. Eine kleine Eisenkanne, Tetsubin 鉄瓶, statt eines echten Chagama, zehn- bis dreißigtausend. Für vierzigtausend Yen, dreihundert Euro, läßt sich der eigene Anfänger-Tee schlagen.

Ab dem dritten oder vierten Jahr kommt der Kimono dazu. Die Iromuji 色無地, das ungemusterte einfarbige Festgewand mit einem aufgenähten Familienwappen, zwischen fünfzig- und hunderttausend Yen neu, zehn- bis dreißigtausend gebraucht aus einem Antiquitätengeschäft am Tōji-Markt in Kyōto oder online. Dazu ein Nagoya-obi-Gürtel, dreißig- bis fünfzigtausend, oder bei einem namhaften Weber das Doppelte. Strümpfe, Sandalen, Unterkimono, Tasche, das übrige Zubehör, weitere dreißig- bis fünfzigtausend. Insgesamt einhundertfünfzig- bis dreihunderttausend Yen, eintausend bis zweitausend Euro, für ein einziges Festgewand. Die meisten Schülerinnen besitzen zwei oder drei davon, abgestimmt auf die Jahreszeiten.

Soweit das Anfänger-Niveau. Ab der Shikaden-Stufe beginnen die eigentlichen Geräte. Eine Chawan von einem zeitgenössischen Töpfer aus Hagi oder Bizen, der einen Namen hat, kostet fünfzig- bis dreihunderttausend Yen, dreihundert bis zweitausend Euro. Ein Chashaku von einem Teemeister geschnitten und benannt, dreißig- bis hunderttausend. Ein Chaire-Pulvergefäß aus altem Lack mit Shifuku-Beutel, fünfzig- bis fünfhunderttausend. Ein gußeisernes Chagama, je nach Werkstatt und Alter, hunderttausend bis eine Million.

Über dieser Schicht wieder eine. Ein Schalenwerk von Raku Kichizaemon, dem fünfzehnten der Linie, kostet im Antiquariat in Kyōto zwei bis drei Millionen Yen, zwölf- bis zwanzigtausend Euro. Eine Schale von Raku Dōnyū aus dem siebzehnten Jahrhundert eineinhalb Millionen. Ein Werk von Kawakita Handeishi aus dem zwanzigsten Jahrhundert dreihunderttausend bis vier Millionen, je nach Stück. Eine Schale von Kitaōji Rosanjin zwei Millionen. Ein national als Kunstschatz registriertes Karamono-Tenmoku aus der Song-Zeit verläßt das Museum nicht.

Eine ältere Dame in Yokohama sammelt seit vierzig Jahren Teeschalen. Sie und ihr verstorbener Mann haben Stück für Stück gekauft. Insgesamt zweihundertachtzig Schalen. Die meisten zwischen drei- und zwanzigtausend Yen, gekauft auf den Sonntagsmärkten. Vierzig zwischen fünfzigtausend und einer halben Million, von kleineren Töpfern. Drei zwischen einer und zwei Millionen, eines davon ein Geschenk zum siebzigsten Geburtstag. Die Schalen stehen in einem Schrank aus Paulownienholz im Eßzimmer, jede in einem eigenen Holzkasten mit Tuschsignatur des Töpfers. Wenn sie einen Gast hat, wird eine herausgenommen. Eine, die zur Jahreszeit paßt und zum Gast.

Ein selbst veranstaltetes Chaji kostet den Gastgeber zwischen dreißig- und einhunderttausend Yen, zweihundert bis siebenhundert Euro. Lebensmittel für das Kaiseki. Süßigkeiten. Frische Blumen. Kohle. Eine besondere Schriftrolle aus dem eigenen Schrank. Manchmal ein Gerät, eigens bestellt für diesen Anlaß. Ein professionell ausgerichtetes Chaji in einem Teehaus von Kyōto, mit gemietetem Raum und gehobenem Kaiseki, drei- bis sechshunderttausend Yen, zwei- bis viertausend Euro.

Im deutschsprachigen Raum ist alles ähnlich, nur kleiner. Das Anfänger-Set bei der Tankōkai fünfzig bis hundert Euro. Eigene Schale, Chasen und Chashaku zusammen zweihundert Euro. Ein Iromuji gebraucht aus Tōkyō, mit Postversand, ab zweihundertfünfzig Euro. Bei deutschen Chakai werden die Geräte vom Verein geliehen. Ein eigener Teeraum baut sich nach und nach auf, oft über Jahrzehnte, oft aus Schenkungen sterbender Mitglieder.

Das Geld eines Lebens, vierzig Jahre lang in kleinen Beträgen ausgegeben, summiert sich nicht zu einem Vermögen. Es wird zu Schalen.


VIII. 影 — Schatten

Im Jahr 1996 zählte das japanische Innenministerium 2,6 Millionen Teemenschen im ganzen Land. Im Jahr 2016 waren es 1,76 Millionen. Ein Drittel verloren in zwanzig Jahren. Pro Jahr verläßt die Tee-Bevölkerung etwa hunderttausend Menschen.

Das Durchschnittsalter der aktiven Lernenden in den Schulen liegt heute bei achtundsechzig Jahren. Sechs Prozent der Schüler sind unter dreißig. Vierundsiebzig Prozent über sechzig. Die Hälfte über siebzig. Eine Schülerin, die mit dreißig anfängt, ist in den meisten Keiko-Räumen die jüngste.

Manche Anzeichen verteilen sich anders. Bei den Hochschul-Teeklubs steigt die Zahl der Mitglieder leicht. Bei den unter Fünfundzwanzigjährigen steigt sie auch. Mancher hat den Tee in der Schul-AG gelernt und läßt im ersten Job nicht ab. Bei den Sechzig- bis Siebzigjährigen steigt sie ebenfalls. Pensionäre suchen etwas für den Vormittag. Das Verschwinden geschieht in der Mitte. Zwischen dreißig und sechzig fehlen die Menschen.

Das Tsuki-gama zeigt es zuerst. Die Liste der Tempel, die in Kyōto noch monatlich Kessel hängen, ist kürzer als vor zwanzig Jahren. Manche Kleinklöster haben das Aufhängen ganz eingestellt. Der ältere Bruder im Hauptsitz kann nicht mehr kommen. Der jüngere hat keine Lust. Manche bieten es nur noch viermal im Jahr an. Manche haben es an die Schüler abgegeben, die nun den Tag der Vorbereitung selbst tragen müssen.

Auch die Keiko-Räume verschwinden. In Tōkyō waren im Jahr 2000 etwa zwölftausend Räume bei der Ura-senke registriert. Im Jahr 2024 noch siebentausend. In Kyōto ähnlich. In Ōsaka stärker. In kleineren Städten reichen vier oder fünf Räume oft nicht mehr aus. Sie tragen keinen Lehrer wirtschaftlich. Die Lehrerin macht es als Nebenbeschäftigung im Erdgeschoß ihres Wohnhauses.

Am Antiquitätenmarkt am Tōji-Tempel in Kyōto haben sich die Preise verschoben. Eine Chawan ohne Holzkasten mit Tuschsignatur kostet heute fünfundzwanzigtausend Yen. Vor zwanzig Jahren waren es fünfzigtausend. Mit Kasten und Signatur dasselbe wie vor zwanzig Jahren. Der Markt für gebrauchte Geräte ohne Provenienz ist gefallen. Der Markt für Geräte mit Provenienz hält stand. Wenige Sammler konkurrieren um wenige Stücke.

Ein Beispiel im Kleinen. In einem Stadtteil im Nordwesten Kyōtos liegt ein Teehaus. Es wird seit fünfundsechzig Jahren betrieben. Der Wirt ist heute zweiundachtzig. Er hängt einmal im Monat den Kessel. Vor zwanzig Jahren kamen achtundzwanzig Gäste an einem Vormittag. Vor zehn Jahren noch sechzehn. Heute neun. Manchmal acht. Manchmal sieben. Er hängt den Kessel weiter.

Außerhalb Japans bewegt sich die Zahl in die andere Richtung. Der erste Urasenke-Verein außerhalb Japans wurde 1951 in Hawaii gegründet. Im Jahr 2025 sind es hundertdreizehn in achtunddreißig Ländern. In Deutschland sind es heute neun. Hamburg (1978) ist der älteste. Frankfurt folgte 2011, Berlin 2013. Düsseldorf, München, Köln, Mainz, Heidelberg, Saarbrücken haben jüngere Daten. Wien 2008, Zürich. In Italien, Frankreich, Spanien, in Polen, Tschechien, Ungarn, in Israel, Brasilien, Mexiko ähnlich. Im Ausland fängt es an, wo es in Japan aufhört.

Im Innersten der Sen-Schulen weiß man das. Der fünfzehnte Hōunsai sagte vor seinem Tod oft denselben Satz. Das Wachstum des Tees liegt heute außerhalb Japans. Er sagte das ohne Bitterkeit.

In einem Vorgarten in München, an einem Septembertag, sitzen drei deutsche Schüler bei ihrer Lehrerin und lernen, die Hishaku in den Kessel zu legen. Die Lehrerin ist neunundsechzig, sie hat in Kyōto vor vierzig Jahren angefangen. Eine der Schülerinnen ist achtundzwanzig. Sie wird, falls die Knie aushalten, in dreißig Jahren noch unterrichten. Kein Ende. Eine Wanderung.


IX. 西の窓 — Das westliche Fenster

Im deutschsprachigen Raum gibt es konkrete Adressen. Die meisten gehören zur Ura-senke, der weltweit größten der drei Schulen. Die anderen beiden Sen-Schulen unterhalten in Europa kleinere Vertretungen. Ihre Lehrer fliegen zwischen Kyōto und Berlin oder Mailand hin und her. In den nachfolgenden Zeilen stehen die Adressen, die heute bestehen. Eine vollständige Liste wäre länger, eine aktuelle Liste wäre immer schon veraltet. Die hier genannten Häuser bilden feste Punkte. Vom Rest läßt sich von hier aus weiterfinden.

Hamburg. Die Chado Urasenke Tankokai Hamburg Kyokai e.V. lehrt seit 1978 im Teehaus Shōseian, der Hütte der reinen Kiefern, im Museum für Kunst und Gewerbe am Steintorplatz beim Hauptbahnhof. Die Urasenke-Stiftung schenkte das Teehaus dem Museum zu dessen hundertjährigem Jubiläum. Wöchentlich Unterricht. Am dritten Wochenende jedes Monats eine öffentliche Demonstration. Eine Probestunde kostet zwanzig Euro. Die Webseite des Vereins steht unter urasenke-hamburg.de.

Berlin. Der Chadō Urasenke Teeweg-Verein Berlin e.V. wurde 2013 offiziell anerkannt. Er praktiziert im Teehaus Bōki-an, der Hütte des Vergessens der alltäglichen Angelegenheiten, im Museum für Asiatische Kunst am Schloßplatz im Humboldt Forum. Der Name wurde dem Teehaus 2021 vom sechzehnten Zabōsai verliehen. Den Raum entwarf der Architekt Ura Jun aus Kanazawa. Etwa zweimal im Monat werden öffentlich beide Teeformen vorgeführt. Usucha um dreizehn Uhr, Koicha um fünfzehn Uhr. Kostenfrei mit dem Museumseintritt. Das Teehaus selbst ist nicht betretbar. Die Webseite steht unter teeweg-berlin.de.

München. Im Englischen Garten, hinter dem Haus der Kunst, steht auf einer kleinen Insel das Teehaus Kanshōan, eine Stiftung des fünfzehnten Hōunsai an den Freistaat Bayern aus dem Jahr 1972, anläßlich der Olympischen Spiele. Es wird betreut von der Gesellschaft der Freunde des Teewegs Urasenke e.V. (gegründet 1977). Von April bis Oktober finden an einigen Wochenenden öffentliche Vorführungen statt, in der Regel zur vollen Stunde zwischen vierzehn und siebzehn Uhr, für acht Euro, ohne Reservierung. Die Webseite steht unter urasenke-muenchen.de.

Düsseldorf. Im EKŌ-Haus der Japanischen Kultur, Brüggener Weg sechs, im Stadtteil Niederkassel, gibt es zwei Formen. Die traditionelle Vorführung im Tatami-Zimmer, dreißig Euro, etwa achtmal im Jahr an einem Samstagnachmittag, drei Zeitfenster zu fünfundvierzig Minuten. Daneben eine vereinfachte Form auf Stühlen im EKŌ-Saal, zwanzig Euro, monatlich. Beide werden früh ausgebucht. Anmeldung über kurse@eko-haus.de.

Frankfurt. Die Chado Urasenke Tankokai Frankfurt Association, gegründet 2011 anläßlich des hundertfünfzigjährigen Jubiläums der deutsch-japanischen Beziehungen. Wien. Die Chadō Urasenke Tankokai Austria Association, gegründet 2008 mit Unterstützung von Nojiri Michiko, der Lehrerin der römischen Urasenke. Köln, Mainz, Heidelberg, Saarbrücken haben eigene kleinere Vereine, die meisten mit deutschen oder bilingualen Webseiten, alle unter dem Schirm der Urasenke Konnichi-an Foundation in Kyōto.

Über die Tankōkai-Vereine hinaus zeigen einige Museen den Teeweg regelmäßig. Das Linden-Museum in Stuttgart. Das Museum für Asiatische Kunst in Köln. Das Völkerkundemuseum in Wien. An Japan-Tagen, an Universitäts-Asienwochen, an Eröffnungen japanischer Ausstellungen. Eintritt meistens frei. Die Termine wechseln von Jahr zu Jahr und stehen auf den jeweiligen Webseiten.

Am leichtesten beginnt es mit einer Probestunde. Der Lehrer braucht eine Mail oder einen Anruf. Bequeme Kleidung hilft. In ihr soll man knien können. Frische weiße Socken werden vor dem Eintreten angezogen. Eine zweite Garnitur Socken kann mitgebracht werden. Schmuck wird abgelegt. Er kratzt die Schalen. Der Verein stellt die Geräte für die erste Stunde. Aus zwanzig Euro ergibt sich keine Verpflichtung. Aus der zweiten Stunde manchmal eine Bekanntschaft. Aus der dritten manchmal ein Verein.

Eine Frau in Wien hat einmal mit fünfundvierzig angefangen, nach einer Trennung, ohne Plan. Sie ist heute siebzig, in der oberen Hälfte der Shikaden, und reist jedes zweite Jahr nach Kyōto zur Schulversammlung. Als jemand sie nach ihrer Motivation fragte, antwortete sie mit drei Worten. Stein. Moos. Zeit. Dann lächelte sie und sagte nichts mehr.

Der Tee in Japan wächst, wie das Moos wächst. Auf Stein. Im Schatten. Über Zeit. Und manchmal auf Stein weit weg von Kyōto.


Glossar

Im Folgenden alle in diesem Text verwendeten japanischen Begriffe in alphabetischer Reihenfolge, mit Kanji und einer knappen Erklärung.

Chabakodate 茶箱点 – Vereinfachte Teezubereitung mit einem tragbaren Holzkasten, zur Eingangstrias gehörig.

Chabana 茶花 – Die Teeblume in der Tokonoma-Nische, eine einzige Blüte mit einem Blatt, der Jahreszeit entsprechend.

Chadō 茶道 – Der Weg des Tees, alternative Lesung von Sadō.

Chagama 茶釜 – Der gußeiserne Teekessel.

Chaire 茶入 – Keramisches Gefäß für das Pulver des dichten Tees, in einem Seidenbeutel (Shifuku) aufbewahrt.

Chaji 茶事 – Die vollständige, vierstündige Form der Teezusammenkunft mit Kaiseki-Mahl, Koicha und Usucha.

Chakai 茶会 – Die kürzere, offene Form der Teezusammenkunft, ohne Mahl.

Chamei 茶銘 – Der Name einer bestimmten Teemischung.

Chashaku 茶杓 – Der Teelöffel aus Bambus oder Elfenbein, oft mit eigenem Namen versehen.

Chaseki 茶席 – Wörtlich der Teesitz, gebraucht für den einzelnen Termin innerhalb eines Tsuki-gama oder Ōyose-chakai.

Chasen 茶筅 – Der Bambusbesen zum Schlagen des Pulvertees, traditionell aus Takayama bei Nara.

Chashitsu 茶室 – Der Teeraum.

Chatsūbako 茶通箱 – Erste Stufe der Shikaden-Praxis, mit einem besonderen Holzkasten für zwei Teesorten.

Chūgen 中元 – Sommergeschenk an den Lehrer, üblich zur Jahresmitte.

Daitenmoku 台天目 – Shikaden-Praxis mit einer hohen Teeschale auf einem Lacktablett.

Dora 銅鑼 – Der Bronzegong, der die Gäste nach dem Naka-dachi zurückruft.

Fukusa 袱紗 – Quadratisches Seidentuch zum rituellen Reinigen der Geräte. Frauen tragen das rote, Männer das violette.

Fukusabasami 袱紗挟 – Stoffbeutel zur Aufbewahrung der persönlichen Tee-Utensilien.

Furo 風炉 – Tragbarer Untersatz aus Bronze oder Eisen für den Sommerkessel, von Mai bis Oktober gebraucht.

Gozumi 後炭 – Der zweite Kohleabschnitt innerhalb eines Chaji, zur Erneuerung des Feuers vor dem Usucha.

Hassun 八寸 – Hölzernes Tablett im Kaiseki mit zwei kleinen Speisen, einer vom Meer und einer vom Land.

Hatsugama 初釜 – Das erste Feuer des Jahres im Januar.

Higashi 干菓子 – Kleine getrocknete Süßigkeiten, zum Usucha gereicht.

Hira-jawan 平茶碗 – Flache, weite Sommerschale.

Hiroma 広間 – Der weite Teeraum mit acht oder zehn Matten.

Hishaku 柄杓 – Die Bambusschöpfe für das heiße Wasser.

Ichigo Ichie 一期一会 – Diese Begegnung, dieser Augenblick, kommt nicht wieder. Ein Spruch, am Ende eines Chaji gesprochen.

Ido 井戸 – Eine bekannte Form koreanischer Teeschalen.

Iemoto 家元 – Das Oberhaupt einer Schule, in der Regel erblich.

Iromuji 色無地 – Das einfarbige, ungemusterte Festgewand mit einem aufgenähten Familienwappen.

Kaiseki 懐石 – Das einfache Mahl im Chaji, ursprünglich für den Hunger zwischen den Mahlzeiten gedacht.

Kaishi 懐紙 – Weiße Papierblätter, im Kimono getragen, für Süßigkeiten und das Abwischen der Schale.

Kakemono 掛物 – Die Schriftrolle in der Tokonoma-Nische, eigens für den Tag gewählt.

Karamono 唐物 – Chinesische Geräte, traditionell besonders wertvoll. Auch der Name einer Shikaden-Praxis.

Kashikiri 菓子切 – Kleines Bambusmesser zum Schneiden der Süßigkeit.

Keiko 稽古 – Die regelmäßige Übungsstunde mit dem Lehrer.

Kensui 建水 – Das Schälchen für gebrauchtes Wasser.

Kobukusa 古袱紗 – Kleineres Seidenstück, vom Gast unter die Schale gelegt.

香 – Das duftende Holzstückchen, das während des Shozumi geräuchert wird.

Kohiki 粉引 – Eine Form koreanischer Teeschalen, weiß gemehlt.

Koicha 濃茶 – Der dichte, dickflüssige Tee, geteilt aus einer einzigen Schale.

Konarai 小習 – Stufe der Eingangstrias, kleine Übungen.

Kōraimono 高麗物 – Koreanische Teeschalen, von Rikyū im 16. Jahrhundert für den Teeweg entdeckt.

Ko-no-mi 木の実 – Die Waldfrucht, ein typischer Name für einen Chashaku.

Kuchikiri 口切 – Der Anschnitt eines Tonkruges mit frisch geerntetem Pulvertee im November, gewissermaßen das Neujahr des Teejahres.

Kyōjō 許状 – Erlaubnisschein für die nächste Stufe der Praxis, kein Diplom.

Kyōju 教授 – Das Recht, selbst zu lehren. Höchste reguläre Stufe in der Lizenzleiter.

Mizusashi 水指 – Tongefäß für frisches kaltes Wasser.

Mu 無 – Das Nichts. Ein einzelnes Zeichen auf einer Schriftrolle.

Mukōzuke 向付 – Erste Schale im Kaiseki mit rohem Fisch in saurer Marinade.

Naka-dachi 中立 – Der Zwischenrückzug nach dem Kaiseki, ehe der Koicha gereicht wird.

Natsume 棗 – Das Lackgefäß für das Pulver des dünnen Tees, in der Form einer Dattel.

Nijiriguchi 躙口 – Die niedrige Eingangstür, sechsundsechzig Zentimeter hoch.

nijiru 躙る – Die Bewegung des Hineinkriechens durch die niedrige Tür.

Nodate 野点 – Teezusammenkunft im Freien, ohne Teeraum.

Nyūmon 入門 – Die Eintrittsstufe der Lizenzleiter.

Okuden 奥伝 – Die Tiefen-Überlieferungen, oberhalb der Shikaden.

Omogashi 主菓子 – Die Hauptsüßigkeit, frisch zubereitet, vor dem Koicha gereicht.

Ōyose-chakai 大寄せ茶会 – Größere Form der Teezusammenkunft mit fünf bis sieben Sitzen und Hunderten Gästen.

Ro 炉 – Der in den Boden eingelassene Kessel, von November bis April gebraucht.

Roji 露地 – Der Pfad durch den Garten zum Teeraum.

Sadō 茶道 – Der Weg des Tees, im vorliegenden Text die durchgängig gebrauchte Lesung.

Sayu 白湯 – Heißes Wasser mit einem Hauch Salz, im Yoritsuki gereicht.

Seiza 正座 – Die kniende Sitzhaltung, in der gelernt wird.

Seibo 歳暮 – Wintergeschenk an den Lehrer, üblich zum Jahresende.

Sensei 先生 – Der Lehrer.

Sensu 扇子 – Der zusammenklappbare Fächer, der vor dem eigenen Knie auf die Matte gelegt wird.

Shifuku 仕覆 – Der Seidenbeutel, in dem das Chaire aufbewahrt wird.

Shikaden 四ヶ伝 – Mittlere Stufe der Lizenzleiter. Wörtlich „Vier Überlieferungen“, in der Praxis aus fünf Stücken bestehend: Chatsūbako, Karamono, Daitenmoku, Bondate, Wakinden.

Shin no daisu 真之台子 – Der wahre Untersatz, die höchste Praxis. Manche Lehrer sehen sie erst nach Jahrzehnten.

Shin no gyō dai-su und Daien no sō – Praktiken innerhalb der Okuden-Stufe.

Shōgo no Chaji 正午の茶事 – Das Hauptmittag-Teeevent, die Grundform aller Chaji in der Winterzeit.

Shōkyaku 正客 – Der Hauptgast, der dem Wirt gegenübersitzt und das Gespräch führt.

Shozumi 初炭 – Die erste Kohlearbeit zu Beginn des Chaji.

Sōan 草庵 – Die Strohhütte, das kleinste und strengste Teeraum-Modell.

Tabi 足袋 – Die weißen Sockenhandschuhe, im Teeraum unbedingt frisch.

Tankōkai 淡交会 – Die Vereinigung der Schüler und Freunde der Ura-senke, gegründet 1940, mit Sektionen im In- und Ausland.

Tatami 畳 – Die Strohmatte, etwa neunzig auf einhundertachtzig Zentimeter, das Maßraster des Teeraums.

Tenshin 点心 – Das leichte Mittagessen bei einem Ōyose-chakai, in einer Lackbox oder einem Karton serviert.

Tetsubin 鉄瓶 – Eine kleine Eisenkanne, im häuslichen Gebrauch oft statt eines echten Chagama.

Tobi-ishi 飛石 – Die Trittsteine entlang des Gartenpfades.

Tokonoma 床の間 – Die Bildnische im Teeraum, an deren Wand die Schriftrolle hängt und davor die Blume steht.

Tsukimi-no-chakai 月見の茶会 – Das Teefest beim Vollmond im Mittherbst.

Tsukubai 蹲踞 – Das niedrige steinerne Wasserbecken im Garten, zum rituellen Waschen vor dem Eintreten.

Tsume お詰 – Das Teehaus, von dem die verwendete Teemischung stammt.

Tsuki-gama 月釜 – Der Mondkessel, eine monatlich geöffnete Teezusammenkunft, meist an einem festen Tag.

Ura-senke 裏千家 – Eine der drei Sen-Schulen, heute die zahlenmäßig größte, mit Hauptsitz in Kyōto und 113 Vereinen außerhalb Japans.

Usucha 薄茶 – Der dünne, schaumige Tee, jeder Gast bekommt seine eigene Schale.

Wabi 侘び – Eine Grundstimmung der Teeästhetik. Ruhe, Strenge, das Echte ohne Glanz.

Wakinden 和巾点 – Letzte Stufe der Shikaden, mit einem von Genshitsu Sōshitsu XI. eingeführten Stoffstück.

Wamono 和物 – Japanische Geräte, im Unterschied zu Karamono und Kōraimono.

Wanmori 椀盛 – Klare Brühe im Kaiseki, mit einem Stück Fisch, einem Pilz, einem Kraut.

Yakimono 焼物 – Gegrillter Fisch im Kaiseki, von Gast zu Gast weitergereicht.

Yoritsuki 寄付 – Der Vorraum, in dem die Gäste warten und sich vorbereiten.

Yukimi-no-chakai 雪見の茶会 – Das Schnee-Tee-Fest im Winter, wenn frischer Schnee gefallen ist.

Yutō 湯桶 – Kanne mit heißem, leicht gesalzenem Reiswasser am Ende des Kaiseki.

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Matcha erkennen und richtig zubereiten Chadōgu. Ton, Feuer, Asche.
吃茶去