I. Der Verfasser und seine Zeit
Seit alters teilte sich die chinesische Gesellschaft in Beamte und Volk, und der Abstand zwischen beiden bestimmte fast jeden Lebensweg. Einige gingen an dieser Ordnung vorbei. Luó Lǐn 羅廩 aus Cíxī 慈溪 bei Ningbo war ein solcher, ein Mann ohne Amt, der sein Leben der Kalligraphie und dem Tee widmete. Über seine Person ist wenig gesichert; die Lebensdaten um 1573 bis 1620 sind eine späte Schätzung, ältere Verzeichnisse führten ihn als unbekannt. Seine Kursiv- und Grasschrift bildete er nach den beiden Wang und dem Mönch Huáisù 懷素, und er ahmte fremde Hände so genau nach, dass Kenner seine Nachbildungen nicht von den Vorlagen unterscheiden konnten. Daneben hinterließ er einige Gedichtsammlungen.
Schon als Kind hielt er sich an den Tee. Gute Sorten waren schwer zu bekommen und blieben selten gleich, und so begann er, die Teegebiete zu bereisen, die Verfahren der einzelnen Orte aufzunehmen und miteinander zu vergleichen. Was er dabei zusammentrug, brachte er an den Südhang des Zhōngyǐnshān 中隱山, wo er einen eigenen Garten anlegte und die Sträucher über zehn Jahre zog. Zur Wende von Frühling und Sommer pflückte und verarbeitete er den Tee mit eigener Hand, und den Ertrag stellte er neben den vom Hǔqiū 虎丘. 「余自兒時,性喜茶……乃周遊產茶之地,採其法製,參互考訂……遂於中隱山陽,栽植培灌,茲且十年。春夏之交,手為摘製。」 (Von Kind auf liebte ich den Tee … so durchreiste ich die Teegebiete, sammelte ihre Verfahren und verglich sie miteinander … am Südhang des Zhongyin-Berges pflanzte und pflegte ich, nun zehn Jahre. Zur Wende von Frühling und Sommer verarbeitete ich mit eigener Hand.)
《茶解》 erschien 1609, im selben Jahr, in dem Tú Běnjùn 屠本畯 die Vorrede dazu schrieb; eine Nachschrift des Lóng Yīng 龍膺 kam 1612 hinzu. Damit reiht es sich hinter die beiden Bücher, die das späte Ming dem losen Tee gewidmet hatte. Zhāng Yuán 張源 hatte um 1595 in 《茶錄》 das Handwerk eines Einzelnen festgehalten, Xǔ Cìshū 許次紓 1597 in 《茶疏》 die Geselligkeit der Gelehrten zu einer Enzyklopädie ausgebreitet. Luo Lin schrieb über den Anbau. Von den dreien hatte nur er den Tee selbst gezogen.
II. Die zehn Kapitel
Auf eine allgemeine Einleitung folgten in 《茶解》 zehn Kapitel. Knapp viertausend Schriftzeichen umfasste das Ganze. Vollständig hat es allein die Sammlung 《茶書全集》 bewahrt; die übrigen Drucke geben nur einzelne Abschnitte, und das in gestörter Folge.
1. Herkunft 原
Luo Lin zählte die Teegebiete auf, die schon Lù Yǔ 陸羽 für Tang und Song verzeichnet hatte, und bemerkte, dass keiner der berühmten Tees seiner eigenen Zeit darunter stand, weder der vom Hǔqiū noch Tiānchí, Gùzhǔ, Sōngluó, Lóngjǐng, Wǔyí oder Rìzhù. Manches, was anderswo Tee hieß, rechnete er nicht dazu, ein bitteres Kraut aus dem Süden etwa oder ein Steinmoos, die nicht in den Mund taugten. Er erinnerte an die alten Namen des Tees und an das Zeichen 荼, aus dem das heutige 茶 hervorging.
2. Güte 品
Die Güte wog Luo Lin nach Farbe, Duft und Geschmack. Die beste Farbe sei das Weiß, dann das Blaugrüne, zuletzt das Gelbe; der feinste Tee bleibe weiß, ob dünn oder stark aufgegossen, frisch gebrüht oder lange verwahrt. Ob er trocken oder feucht gerate, führte er auf den Boden zurück, nicht auf die Hand des Menschen. Zu wenige Blätter in zu viel Wasser, aus Sorge um die Farbe, ließen Geschmack und Duft vermissen. Langsames Trinken sei nötig; ein hastiger Zug, Schale auf Schale, lasse vom Geschmack nichts. Lú Tóngs 盧仝 sieben Schalen nannte er ein Wort der Laune, keine wirkliche Sache.
3. Anbau 艺
Das dritte Kapitel gilt dem Ziehen der Sträucher, von der Saat bis zur Ernte. Den Samen wählte Luo Lin im Wasser aus und behielt nur die sinkenden; gesät wurde im Frühjahr, eine Handvoll je Grube, in Reihen einen Schritt breit, und im dritten Jahr ließ sich pflücken. Hoher, trockener und nährender Boden tauge am besten, ein sonniger Hang vor einem feuchten und schattigen. Den müden Boden besserte er mit gebrannter Erde. Solche Anweisungen zum Anbau standen in keinem älteren Teebuch.
4. Pflücken 采
Das Pflücken band er streng an die Witterung. Bei Regen gepflückter Tee dufte nicht; gepflückt werde nur an klaren Tagen und sogleich geröstet. Die rechte Zeit sei um Gǔyǔ 穀雨, den Saatregen; zu früh fehle dem Blatt die Kraft, zu spät zerstreue sie sich, und vom Sommer an werde der Geschmack rauh. Das gepflückte Blatt dürfe weder Wind noch Sonne sehen und gehöre nicht in Gefäße aus Lack oder Porzellan.
5. Verarbeitung 制
Verarbeitet werde der Tee in der Pfanne. Eine heiße Pfanne röste, eine warme trockne; je eine Handvoll komme hinein und werde rasch gewendet, bis es im Eisen knistere, dann auf einem Sieb mit dem Fächer gekühlt und mit der Hand gerollt. Ein zweiter, milderer Gang trockne das Blatt, bis es die Farbe von Jade annehme. Als Brennholz taugten Luo Lin allein die Kiefernspäne, die rasch fingen und rasch verglühten. Den Stiel ließ er am ersten Tee gewähren, vom Sommer an las er ihn aus.
6. Lagerung 藏
Die Lagerung verlange Trockenheit und Kühle zugleich; Feuchtigkeit verderbe Geschmack und Duft, Hitze mache den Tee bitter und gelb. Hier widersprach Luo Lin dem Cài Xiāng 蔡襄, dessen Satz, der Tee liebe die Wärme, er für fehlerhaft hielt. Aufzubewahren sei der Tee hoch gelegen, in großen Krügen, mit Bambusblatt verschlossen und der Krug umgestülpt, damit keine fremden Gerüche eindringen. Zum täglichen Gebrauch fülle er kleine Krüge ab; doch zu viel Bambusblatt nehme dem Tee selbst den Duft.
7. Aufguss 烹
Beim Aufguss komme es auf das Feuer an. Erst werde es entfacht, dann der Kessel aufgesetzt und rasch gefächelt, bis es aufwalle; früh genommen, bleibe der Aufguss zart und mit ihm die Farbe. Die drei Stufen des Siedens kannte schon das 《茶經》, vom Fischauge über die Perlenschnur bis zur brandenden Welle. Der Jiè-Tee 岕茶, von dickem Wesen, werde vorher mit heißem Wasser gewaschen; die übrigen guten Tees brauchten das nicht.
8. Wasser 水
Dem Wasser maß Luo Lin großes Gewicht bei. Eine Quelle sei nicht schwer süß zu finden, schwer aber von Gehalt; das beste Wasser komme aus dem Stein, das aus dem Schlamm tauge nicht. Dem Quellwasser stellte er das Regenwasser der Pflaumenzeit zur Seite, süß und mild, während Gewitter- und Schneewasser dem Körper schadeten. Seine eigene Quelle am Zhongyinshan ließ er neben den berühmten von Hupao gelten.
9. Verbote 禁
Das Kapitel der Verbote zählte auf, was dem Tee schade. Schweiß und starke Gerüche sollten ihm fernbleiben, Wein und unreine Hände; der Tee nehme jeden fremden Geruch an, selbst den von edlem Räucherwerk. Kerne, Salz, Pfeffer, Ingwer und Orangenschale gehörten nicht hinein. Hier unterlief Luo Lin ein Fehler. Die Sitte, Blüten unter den Tee zu mischen, schrieb er dem Cài Xiāng zu und verspottete sie, obwohl sie nicht von ihm stammte. Über Ní Yúnlín 倪雲林, der seinen Tee mit Zucker süßte, urteilte er kürzer, das sei lächerlich.
10. Geräte 器
Das letzte Kapitel verzeichnete die Geräte, ein Dutzend an der Zahl, vom Pflückkorb über Pfanne, Sieb und Fächer bis zu Krug, Ofen, Kanne und Schale. Zwei Pfannen gehörten dazu, eine zum Rösten, eine zum Trocknen, das Feuer in beiden verschieden stark. Für die Kanne empfahl Luo Lin den groben Sandton aus der Hand des Shí Dàbīn 時大彬, für die Schale die weißen Öfen von Xuan, Cheng und Jing. Ein Leinentuch hing zum Abwischen der Hände, eine schmale Bambuszange holte die aufgebrühten Blätter heraus.
III. Anbau
Unter den zehn Kapiteln steht eines, das die älteren Teebücher nicht kannten. Von Lu Yu bis Xu Cishu hatten sie beim fertigen Blatt begonnen, beim Pflücken, Rösten und Aufgießen; wie der Strauch in den Boden kommt, schrieb keiner auf. Luo Lin schrieb es auf; er hatte es getan. Zehn Jahre zog er am Südhang des Zhongyinshan seinen Garten.
Den Samen prüfte er im Wasser und behielt nur die sinkenden; nach dem Herbstopfer trocknete er sie, mischte sie mit Sand und barg sie über den Winter im Korb. Im Frühjahr kamen sie in die Erde, eine Handvoll je Grube, in Reihen einen Schritt breit, und im dritten Jahr ließ sich pflücken. Den Hang wählte er sonnig und trocken; an feuchten, schattigen Lagen, wo das Wasser steht, gerät der Tee schlecht. Den müden Boden besserte er mit gebrannter Erde, an klaren Tagen begoss er ihn mit dem trüben Wasser vom Reiswaschen. Vom Meer hielt er die Sträucher fern. 「以地近海,海風鹹而烈,人面受之,不免憔悴而黑,況靈草乎。」 (Das Land liegt nah am Meer, der Seewind weht salzig und scharf; schon ein Menschengesicht, das ihn abbekommt, wird fahl und dunkel, wie erst das göttliche Kraut.) Auch welche Bäume neben dem Tee stehen durften, hielt er fest. 「茶園不宜雜以惡木,惟桂、梅、辛夷、玉蘭、蒼松、翠竹之類,與之間植……最忌與菜畦相逼,不免穢污滲漉,滓厥清真。」 (In den Teegarten gehören keine schlechten Bäume, nur Osmanthus und Pflaume, Magnolie, Kiefer und Bambus dürfen dazwischenstehen … am wenigsten ein Gemüsebeet daneben, dessen Schmutz einsickert und die Reinheit verdirbt.)
Mit dem Ahnherrn legte er sich an. Das 《茶經》 hatte gelehrt, der wilde Tee stehe über dem gepflanzten. 「野者上,園者次。恐不然。」 (Der wilde gehe vor, der Garten komme danach. Wohl nicht.) Nach zehn Jahren im eigenen Garten ließ Luo Lin den gepflanzten Tee nicht hinter dem wilden zurück.
IV. Rösten
Das Rösten in der Pfanne, das Luo Lin beschrieb, war noch jung. Es kam vom Sōngluó-Berg 松蘿山 in Xiūníng 休寧, wo der Mönch Dàfāng 大方 es ersann; in einer silbernen Pfanne geröstet, fand sein Tee bald überall Nachahmung. Echtes von falschem Songluo zu scheiden, hielt Luo Lin schon für kaum möglich. Er röstete selbst, mit der Hand. Ein neues, zu heißes Eisen verbrannte das junge Blatt, ein altes, verrostetes taugte gar nicht.
Mit dieser Pfanne maß er die ganze Vergangenheit. In Tang und Song war der Tee zu Klumpen gepresst worden, mit Wachs überzogen, zu Drachenkuchen geformt, und für ein Stück so groß wie ein Fingerglied wurden bisweilen Hunderttausende gezahlt. 「碾造愈工,茶性愈失。」 (Je feiner gemahlen und geformt, desto mehr ging das Wesen des Tees verloren.) Die Gegenwart stellte er darüber: 「今人止精於炒焙,不損本真。」 (Die Heutigen verstehen sich allein aufs Rösten in der Pfanne und schädigen das wahre Wesen nicht.) Tee und Wein, sagte er, hätten in seiner Zeit eine Feinheit erreicht, vor der die Alten zurückstünden.
Auch dem Ahnherrn galt dieses Maß. Lu Yu blieb für ihn der Anfang, dem die Verehrung gebührte; die Verfahren des 《茶經》 aber, das Stampfen, Mahlen und Sieben, hielt er für überholt. 「奉為開山,其舂碾羅則,諸法殊不足倣。」 (Als Begründer zu verehren, doch seine Verfahren, das Stampfen, Mahlen und Sieben, sind nicht mehr nachzuahmen.) Den Ahnherrn behielt Luo Lin; dessen Handgriffe ließ er fahren.
V. Wasser
Im Wǔlín 武林 unterschied Luo Lin drei Quellen, das Wasser von Hǔpǎo 虎跑 zuoberst, das von Gānlù 甘露 danach, das der Zhēnzhū-Quelle 真珠 zuunterst. Süße sei an einem Wasser leicht zu finden, sein Gehalt schwer. Das Regenwasser der Pflaumenzeit klärte er mit Fúlónggān 伏龍肝, der trockenen Erde aus dem Herdboden, und hob es monatelang auf. Vom alten Brauch, im Winter klares Eis zu zerschlagen und damit Tee zu kochen, hielt er wenig; das sei des Aufhebens zu viel.
Über den rechten Augenblick des Siedens stritten die Alten, und Luo Lin trat in den Streit ein. Lǐ Nánjīn 李南金 hatte gelehrt, das Wasser sei im Übergang von der zweiten zur dritten Siedestufe zu schöpfen; dem stimmte er zu, das Wort eines Kenners. Luó Dàjīng 羅大經 dagegen, aus Furcht vor zu altem Wasser, wollte den Kessel vom Feuer ziehen, sobald das Sieden wie Kiefernwind und Bergbach rauschte, und das Wallen sich legen lassen, ehe er aufgoss. 「不知湯既老矣,雖去火何救耶?」 (Ist das Wasser erst alt, was hilft da das Abnehmen vom Feuer?) Auch dies hielt Luo Lin für danebengetroffen.
Eine Frage richtete er an einen, der vor ihm geschrieben hatte. Xu Cishu, mit dem Beinamen Ránmíng 然明 und selbst aus dem Wulin, hatte in seinem 《茶疏》 die Wasser geordnet, die Quelle Ganlu aber nicht genannt. 「許然明武林人,品水不言甘露,何耶?」 (Xu Ranming, ein Mann aus Wulin, nennt beim Ordnen der Wasser die Ganlu-Quelle nicht. Warum?) Sie liege abseits, an einer selten begangenen Bergstiege; vielleicht sei er nie dort gewesen. So berührten sich zwei Bücher des späten Ming über eine Quelle, die das eine nannte und das andere überging.
VI. Der Verfall der Teegärten
Im ersten Kapitel hatte Luo Lin die Teegebiete der Alten aufgezählt und festgestellt, dass keiner der berühmten Tees seiner Zeit darunter stand. Den Grund nannte er gleich dazu. Früher sei der Tee in Gärten gezogen worden; dann habe der Tribut die Gärten zur Last gemacht, und sie seien verfallen. 「貢茶為累,茶園盡廢。」 (Der Tributtee wurde zur Last, die Teegärten verfielen ganz.) Auch sein eigener Kreis hatte seit der Südlichen Song Tributtee geliefert; geblieben waren davon nur die Flurnamen, ein Teeamt, ein Teefeld, die Gärten selbst waren dahin. Was blieb, war der wilde Bergtee, ein Notbehelf, der es mit den alten Sorten von Yángxiàn 陽羨 und Tianchi nicht aufnahm.
Daraus zog er einen weiteren Schluss. 「靈草在在有之,但人不知培植。」 (Das göttliche Kraut wächst überall, nur fehlt das Wissen, es zu ziehen.) Das Kraut war da; was fehlte, war das Wissen, es zu ziehen. Was Luo Lin in zehn Jahren am Berghang gelernt und über den Anbau aufgeschrieben hatte, war ein Wissen, das eben verlorenging.
VII. Überlieferung und Wirkung
Die Vorrede schrieb 1609 Tu Benjun; sie zählte die zehn Kapitel auf und lobte das Buch in zwei Wendungen: 「其論審而確,其詞簡而考。」 (Sein Urteil ist genau und sicher, seine Sprache knapp und geprüft.) Eine Nachschrift fügte 1612 Long Ying hinzu, ein Freund, den Luo Lin schon 1593 besucht hatte.
Tu Benjun war selbst kein gewöhnlicher Vorredner. Aus Yínxiàn 鄞縣 stammend, hatte er in Fujian die Meerestiere beschrieben und daraus das früheste Verzeichnis der Meeresfauna einer chinesischen Landschaft gemacht. Auch über den Tee schrieb er ein Buch, das 《茗笈》; dieses aber nahm das 《茶經》 zur Richtschnur und reihte die Sätze der älteren Meister daran, mit eigenen Anmerkungen versehen. Der Naturforscher, der die Fische am eigenen Auge geprüft hatte, stellte seinen Tee aus Büchern zusammen.
Erhalten ist das Buch nur in der Sammlung 《茶書全集》; die anderen Drucke geben es verkürzt und in verworrener Folge. Ein Fehler blieb darin stehen. Die Sitte, Blüten unter den Tee zu mischen, die Luo Lin dem Cai Xiang angelastet hatte, stammte aus dem 《茶譜》 des Qián Chūnnián 錢椿年 und des Gù Yuánqìng 顧元慶; Cai Xiang selbst hatte im 《茶錄》 gerade das Gegenteil verlangt, den Tee bei seinem eigenen Duft zu lassen und nichts hineinzugeben. So bleibt 《茶解》 ein schmales Buch, lückenhaft überliefert, mit einem falschen Vorwurf darin, und das einzige, das beim Samen in der Erde begann.
Anhang. Zwei Stellen im Wortlaut
Der Verfasser über sich (aus der Einleitung)
「余自兒時,性喜茶,顧名品不易得,得亦不常有。乃周遊產茶之地,採其法製,參互考訂,深有所會。遂於中隱山陽,栽植培灌,茲且十年。春夏之交,手為摘製。」
Von Kind auf liebte ich den Tee. Doch gute Sorten waren schwer zu bekommen und auch dann nicht von Dauer. So durchreiste ich die Teegebiete, sammelte ihre Verfahren und prüfte eines am andern, bis ich tief in die Sache eindrang. Am Südhang des Zhongyinshan legte ich endlich einen Garten an und pflegte ihn, nun zehn Jahre. Zur Wende von Frühling und Sommer pflückte und verarbeitete ich mit eigener Hand.
Vom Samen zur Pflanze (aus dem Kapitel über den Anbau)
「秋社後,摘茶子水浮,取沉者。略晒去濕潤,沙拌,藏竹簍中,勿令凍損。俟春旺時種之。茶喜叢生,先治地平正,行間疏密,縱橫各二尺許。每一坑下子一掬,覆以焦土,不宜太厚,次年分植,三年便可摘取。」
Nach dem Herbstopfer werden die Teesamen gepflückt und ins Wasser geworfen; behalten werden die, die sinken. Sie werden leicht getrocknet, mit Sand gemischt und im Bambuskorb geborgen, damit der Frost sie nicht verdirbt. Zur Zeit des Frühjahrswuchses werden sie ausgesät. Der Tee wächst gern in Büscheln; zuerst wird der Boden geebnet und in Reihen von lockerem Abstand gezogen, je etwa zwei Fuß im Geviert. In jede Grube kommt eine Handvoll Samen, mit gebrannter Erde bedeckt, nicht zu dick; im nächsten Jahr werden die Pflanzen umgesetzt, im dritten lässt sich pflücken.
Glossar
Chájiě 茶解 — „Erläuterung des Tees", verfasst um 1609 von Luo Lin.
Luó Lǐn 羅廩 — Verfasser des 《茶解》, Kalligraph aus Cixi, um 1573 bis 1620.
Cíxī 慈溪 — Heimatort Luo Lins, bei Ningbo in Zhejiang.
Zhōngyǐnshān 中隱山 — Berg bei Cixi; an seinem Südhang lag Luo Lins Teegarten.
Gǔyǔ 穀雨 — „Saatregen", eine der vierundzwanzig Jahresperioden, um den 20. April; Zeit der Frühjahrspflücke.
Sōngluó 松蘿 / Sēng Dàfāng 僧大方 — Berg in Xiuning; der dort wirkende Mönch Dafang soll das Pfannenrösten begründet haben.
Jièchá 岕茶 — Tee aus dem Luojie-Gebiet, als einziger gedämpft statt geröstet.
jiāotǔ 焦土 — gebrannte Erde, zur Pflege des Teebodens.
Fúlónggān 伏龍肝 — getrocknete Erde aus dem Herdboden, zum Klären des Regenwassers.
Shí Dàbīn 時大彬 — berühmter Töpfer von Yixing-Steinzeugkannen, späte Ming-Zeit.
Lù Yǔ 陸羽 — Verfasser des 《茶經》 (Tang), Ahnherr der Teeliteratur; Beinamen Sangzhu und Hongjian.
Cài Xiāng 蔡襄 — Verfasser des 《茶錄》 (Song), Beiname Junmo.
Xǔ Cìshū 許次紓 — Verfasser des 《茶疏》 (1597), Beiname Ranming.
Lú Tóng 盧仝 — Tang-Dichter, bekannt für sein Lied von den sieben Schalen Tee.
Lǐ Nánjīn 李南金 / Luó Dàjīng 羅大經 — Song-Autoren, deren Streit über den rechten Siedepunkt Luo Lin aufgriff.
Tú Běnjùn 屠本畯 — Verfasser der Vorrede (1609); Naturforscher aus Yinxian, schrieb das Meeresfauna-Verzeichnis 《閩中海錯疏》 und das Teebuch 《茗笈》.
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