Der heimliche Tee des Tyrannen

Sūn Hào (孫皓), der letzte König des Reiches Wu (吳), liebte den Wein und gönnte ihn auch seinen Beamten — ob sie wollten oder nicht. Wer an seiner Tafel saß, hatte zu trinken, und zwar nach Maß: sieben Maß für jeden, den Trinkfesten wie den Schwachen. Was nicht durch die Kehle ging, wurde nachgegossen, bis das Gefäß geleert war.

Sieben Maß für jeden, ob er konnte oder nicht —
wer's nicht schaffte, dem goß man's ins Gesicht.

Und damit der Spaß nicht ausgehe, stellte Sun Hao eigens nüchterne Aufpasser ab, die den ganzen Tag dabeistanden und sich jede Entgleisung der Trunkenen merkten; nach dem Gelage trug ein jeder vor, was die anderen gefehlt hatten. Ein falsches Wort, ein schiefer Blick — und schon war es ein Vergehen.

Einer aber saß an dieser Tafel, der vertrug kaum etwas: Wéi Yào (韋曜), ein gelehrter Mann, Verfasser der Geschichte des Reiches Wu, der über zwei Maß nicht hinauskam. Weil Sun Hao ihn schätzte — Wei Yao war einst der Lehrer seines Vaters gewesen —, ließ er ihm, wenn der Gelehrte nicht mehr konnte, heimlich Tee in den Becher gießen, an Stelle des Weins. So saß inmitten der torkelnden Höflinge einer und nippte, mit dem stillen Einverständnis des Kaisers, an seinem Tee.

In den 《三國志》 (Sānguózhì), den Aufzeichnungen der Drei Reiche, steht der Vorgang in fünf Zeichen: 「密賜茶荈以當酒」, „heimlich Tee reichen an Stelle des Weins". Daraus wurde eine Redewendung, die in China bis heute an jedem Tisch fällt: 「以茶代酒」 — den Wein durch Tee ersetzen. Wer nicht trinken will oder kann, hebt die Teeschale, spricht diese vier Zeichen, und niemand nimmt Anstoß. Geboren wurde der Satz an der Trinktafel eines Tyrannen.

Doch die Gunst hielt nicht. Wei Yao war ein eigensinniger Mann und ein genauer Geschichtsschreiber. Als der Kaiser verlangte, man möge seinen nie gekrönten Vater in den Annalen wie einen Herrscher führen, weigerte er sich: wer nicht Kaiser gewesen sei, gehöre nicht in die Annalen. Auch die schmeichelnden Berichte von himmlischen Vorzeichen wollte er nicht beglaubigen. Da schlug Sun Haos Zuneigung in Groll um. Nun wurde dem Gelehrten der Wein nicht mehr erlassen, sondern aufgezwungen, und jedes nicht geleerte Maß als Schuld vermerkt.

Im Jahr 273 ließ Sun Hao ihn ins Gefängnis werfen. Aus dem Kerker bat Wei Yao um Gnade, ein Getreuer legte Fürbitte um Fürbitte ein. Der Kaiser blieb taub und ließ den alten Mann — er war siebzig — hinrichten.

Dieselbe Hand, die ihm einst heimlich Tee in den Becher goß, besiegelte später sein Todesurteil. Der Tyrann ist Staub, der Gelehrte ist Staub. Geblieben sind vier Zeichen von jener Tafel — und wer heute eine Schale Tee hebt und sie Wein nennt, spricht sie aus, ohne zu wissen, wem er sie verdankt.

* * *

Ein Vertrag aus Bosheit Teemärchen aus dem ›Buch der Wunder‹
吃茶去