Es begab sich vor mehr als zweitausend Jahren, im Reiche Qi (齊) an der östlichen See, daß ein Mann namens Yàn Yīng (晏嬰) ein ganzes Land lenkte. Er war der erste Minister am Hofe des Herzogs Jing von Qi (齊景公), und seine Hand wog schwer in allen Geschäften des Staates. Für seine Sparsamkeit aber war er im Lande bekannter noch als für seine Macht. Denselben Fuchspelz, so heißt es, trug er dreißig Jahre lang.

Wer ihn zu Tische lud, der staunte. Auf der Tafel des Kanzlers lag kein Wildbret, und kein Wein stand dabei. Was dort stand, das hätte ein Kind an den Fingern gezählt:
Drei Vöglein, fünf Eier, ein Schälchen Kraut —
mehr ward dem Kanzler nie aufgebaut.
Und doch — gerade um jenes Schälchen Kraut geht es hier. Denn was darin lag, das war Tee. Nicht, um ihn zu trinken. Um ihn zu essen.
Woher wir das wissen? Aus einem einzigen Satz. In den alten Aufzeichnungen über den Kanzler, dem Buch 《晏子春秋》 (Yànzǐ Chūnqiū), heißt es, er habe sich mit grobem Reis, etwas Geflügel und Eiern begnügt — und mit 「茗菜而已」, „ein wenig Tee-Gemüse, mehr nicht".
So jedenfalls las es Lù Yǔ (陸羽). Mehr als tausend Jahre nach dem Kanzler trug dieser Gelehrte im 《茶經》 (Chájīng), dem ersten Buch, das je vom Tee handelte, die ältesten Spuren des Getränks zusammen — und unter ihnen jene karge Mahlzeit. Er schrieb das Zeichen 「茗」, míng: Tee.
Schlägt man aber die überlieferten Ausgaben des 《晏子春秋》 selbst auf, so steht dort nicht 「茗」, sondern 「苔」, tái — ein anderes Wort, beide unter demselben Gras-Radikal, doch das eine meint den Tee, das andere ein essbares Moos, ein Grün aus dem Wasser. Was einem Abschreiber über die Jahrhunderte zu „Tee" geriet, war vielleicht von Anfang an nur Moos.
Damit hängt der älteste Tee der Schriftgeschichte an einem einzigen Pinselstrich. Las Lu Yu recht, so aß der Kanzler von Qi vor zweieinhalbtausend Jahren Tee von seinem Teller, lange bevor irgendwer ihn aufzugießen lernte. Las er falsch, so verschwindet der Tee wieder von der Tafel — zurück ins Grün, aus dem er gekommen ist.
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