— Mönch, Dienstjunge, Meister
Yangxian
Yixing ist eine kleine Kreisstadt im Süden der Provinz Jiangsu, am Westufer des Taihu. Der Taihu ist einer der großen Seen Chinas, und um ihn herum liegt das Land, das die Chinesen Jiangnan nennen, das Land südlich des Jangtse, seit alters reich an Reis, an Seide und an Gelehrten. Heute heißt die Stadt Yixing, in früherer Zeit hieß sie Yangxian. Unter diesem alten Namen wurde sie zuerst berühmt, und was sie berühmt machte, war ihr Tee, lange bevor dort die erste Teekanne entstand.
Im 8. Jahrhundert, unter der Tang-Dynastie, zählte der Tee aus Yangxian zu den Tributtees. Der Kaiserhof beanspruchte die besten Erzeugnisse des Reiches für sich; sie waren ihm geschuldet wie eine Abgabe, und ein Tee, den der Hof verlangte, galt damit als der feinste seiner Art. Am Berg Guzhu im benachbarten Changxing, das schon zur Provinz Zhejiang gehört, richtete der Hof eine eigene Manufaktur ein, die den Tribut bereitete. Von dort und aus Yixing zog jedes Frühjahr eine Lieferung nach Norden in die Hauptstadt. Sie musste vor dem Qingming eintreffen, dem Fest um die Frühjahrsmitte, an dem die Chinesen ihrer Toten gedenken. Boten trugen den frischen Tee in Eilmärschen über das Land, und die ersten Blätter des Jahres erreichten den Kaiser, ehe die gewöhnlichen Bauern ihre Ernte einbrachten.
Lu Yu, der in eben jenem 8. Jahrhundert mit dem Chajing die erste Abhandlung über den Tee schrieb, lebte am Taihu und kannte die Tees dieser Hänge. Vom Dichter Lu Tong stammt eine Zeile über den Yangxian-Tee, die seither immer wieder zitiert wird, 「天子須嘗陽羨茶,百草不敢先開花」. Der Sohn des Himmels, der Kaiser, muss den Yangxian-Tee kosten, ehe die hundert Kräuter zu blühen wagen.
Derselbe Landstrich, der diesen Tee hervorbrachte, barg im Boden noch etwas anderes. Südlich der Stadt liegt der Ort Dingshu, und dort wurde Töpferware gebrannt, seit alter Zeit, Krüge und Tröge und Schalen für den täglichen Gebrauch. Tief in den Gesteinsschichten unter den Hügeln lagerte ein besonderer Ton, feiner und eisenreicher als der gewöhnliche Töpferton. Die Töpfer nannten ihn Zisha, purpurnen Sand. Aus ihm wurde später die Kanne gemacht. Was der Tee in dieser Gegend begonnen hatte, führte der Ton fort.
Im chinesischen Süden gibt es zwei Orte, deren Handwerk über die Jahrhunderte nie abriss. Longquan in der Nachbarprovinz Zhejiang ist für seine Schwerter bekannt, Yixing in Jiangsu für seinen Ton. An beiden Orten wurde das Können vom Meister an den Schüler weitergegeben, eine Familie nach der anderen, eine Werkstatt nach der anderen, bis in die Gegenwart.
Jinsha
Im 14. Jahrhundert hatten die Chinesen die mongolischen Herrscher vertrieben, die unter dem Namen Yuan über das Land geboten hatten, und eine eigene Dynastie errichtet, die Ming. Unter ihr, im frühen 16. Jahrhundert, lebte am Jinsha-Tempel nahe Yixing ein Mönch, dessen Name nicht überliefert ist. Der Tempel lag unter den Hügeln, in deren Nähe die Töpfer ihren Ton gruben und brannten. Der Mönch hielt sich bei ihnen auf, nahm sich von ihrem feinen Ton und arbeitete ihn mit den Händen. Eine frühe Aufzeichnung nennt ihn an erster Stelle unter allen, die je eine solche Kanne gemacht haben, 「金沙寺僧,逸其名……摶其細土,加以澄練,捏築為胎」. Der namenlose Mönch knetete den feinen Ton und schlämmte ihn rein, formte daraus den Körper des Gefäßes, höhlte ihn aus und setzte Tülle, Henkel und Deckel an.
Neben den Mönch stellt die Überlieferung einen Jungen. Sein Familienname soll Gong gewesen sein, überliefert ist er als Gongchun. Er war der Dienstbube eines Gelehrten namens Wu Yishan, der sich am Jinsha-Tempel einquartiert hatte, um in der Stille auf die Beamtenprüfung zu lernen. Während sein Herr über den Büchern saß, sah der Junge dem alten Mönch bei der Arbeit zu und ahmte ihn heimlich nach. Aus dem Bodensatz, der sich im Tonbottich gesammelt hatte, dort, wo der Mönch sich die Hände gewaschen hatte, formte er eine Kanne. Zum Vorbild nahm er den knorrigen Auswuchs an einem alten Ginkgobaum des Klosters. Die Kanne geriet knotig und uneben, kastanienbraun, mit einer Haut wie die Rinde einer alten Kiefer; an ihrer Oberfläche blieben die Abdrücke seiner Finger stehen. Shuying-Kanne wurde sie genannt, Kanne in Gestalt eines Baumknorrens, und später, nach ihrem Schöpfer, Gongchun-Kanne.

Mit dieser Kanne trat das Tongefäß aus Yixing aus dem Bereich des groben Gebrauchsgeräts heraus und wurde zu einem Ding, das um seiner selbst willen geschätzt wurde. Die Shuying-Kanne wurde berühmt, und Töpfer bildeten sie über Generationen nach. Echte Stücke aus Gongchuns eigener Hand aber blieben selten, und ob heute überhaupt eines erhalten ist, lässt sich kaum mehr entscheiden. Ein Exemplar fand der Sammler Chu Nanqiang in den 1920er Jahren in Suzhou, ohne Deckel; der Töpfer Pei Shimin ergänzte ihm später einen. Heute steht es im Nationalmuseum in Beijing. Ob es wirklich von Gongchun stammt, ist unter Fachleuten umstritten. Manche halten das Stück für eine spätere Nachbildung, deren sauber eingeritzte Maserung mit dem ursprünglichen, von Hand gekniffenen Werk wenig gemein hat.
Die früheste Aufzeichnung, die den Mönch und den Jungen festhält, stammt von Zhou Gaoqi. Sein Yangxian Minghu Xi, das erste Buch, das je über die Kannen aus Yixing geschrieben wurde, entstand am Ende der Ming-Zeit und setzte die beiden an den Anfang. Was vorher nur mündlich von Werkstatt zu Werkstatt weitergegeben worden war, stand nun geschrieben.
Shi Dabin
Der Mönch und der Junge hatten ihre Kannen mit bloßen Händen geformt. Die Töpfer, die nach ihnen kamen, halfen sich mit einem Modell, wie es bei der groben Töpferware seit jeher üblich war. Sie schnitzten die Form der Kanne aus Holz, drückten den weichen Ton von außen darauf, bis er ihre Gestalt annahm, und zogen ihn wieder ab, wenn er fest geworden war. So entstanden viele Kannen rasch und einander gleich, und jede trug die Form, die das Modell ihr vorgab.
Shi Dabin arbeitete in der späten Ming-Zeit, im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Von ihm heißt es in den alten Aufzeichnungen, 「悟其法則又棄模」. Er durchschaute die überlieferte Methode und legte das Modell beiseite. An seine Stelle setzte er zwei Verfahren, die in Yixing bis heute gelten. Für eine runde Kanne schlug er aus einer flachen Tonplatte einen langen Streifen, bog ihn zu einem Zylinder und trieb ihn mit einem hölzernen Paddel, schlug von außen auf die Wand und hielt von innen mit der Hand dagegen, bis sich der Zylinder zur runden Bauchung wölbte. Dieses Schlagen des Korpus heißt Dashentong. Für eine eckige Kanne schnitt er stattdessen flache Platten zu und fügte sie an den Kanten zusammen, das Xiangshentong, das Anfügen der Platten. Beide Male kam er ohne Modell aus und ohne die rotierende Scheibe, auf der die Porzellanmacher ihre Gefäße hochziehen. Eine Handvoll Werkzeug genügte ihm, ein Schlägel und ein Paddel aus Holz, ein Zirkel aus Bambus und eine dünne Klinge aus Horn, mit der er zuletzt die Wand verdichtete, bis sie glatt und fest dalag. Diese Handgriffe gibt der Meister bis heute an den Schüler weiter.

Von Shi Dabins eigener Hand ist wenig erhalten, und vieles, was seinen Namen trägt, ist unsicher. Ein gesichertes Stück kam 1987 ans Licht, aus einem Grab in Zhangpu in der Provinz Fujian. Das Grab war im Jahr 1610 geschlossen worden, und was darin lag, kann nicht jünger sein; das Stück ist also fest datiert. Es ist eine schlichte Kanne, die auf drei kurzen Füßen steht. In den Boden sind vier Zeichen geritzt, 「時大彬製」, von Shi Dabin gemacht. Der Ton ist nicht ganz rein, im Brand traten helle Flecken an die Oberfläche, und die Kanne steht ruhig und schwer auf ihren Füßen.
In seinen frühen Jahren machte Shi Dabin große Kannen. Im Umgang mit Gelehrten wie Chen Jiru kam er zur kleinen Form. In den Teebüchern der Ming hieß es, 「壺宜小不宜大」, eine kleine Kanne war der großen vorzuziehen. In einer kleinen Kanne sammelte sich der Duft des Aufgusses, statt sich im leeren Raum zu verlieren. Mit ihr rückte das Gerät näher an den Trinkenden heran, an den Tisch, an dem der Tee zubereitet wurde.
Shi Dabin bildete Schüler aus, unter ihnen Li Zhongfang und Xu Youquan. In derselben Linie steht Hui Mengchen, dessen winzige Kannen aus Zhuni, einem roten Ton, berühmt wurden. Eine solche Mengchen-Kanne fasste kaum mehr als eine Handvoll Wasser. Mit dem Teehandel wanderte sie in den Süden, nach Fujian und Guangdong, und wurde dort zum Gerät des Gongfu-Tees. Beim Gongfu-Tee wird eine kleine Kanne dicht mit Blättern gefüllt, und aus ihr werden rasch hintereinander viele kurze Aufgüsse bereitet, jeder kaum mehr als ein Schluck.
Dass sich solche dünnen Tonplatten freihändig zu einem dichten Körper treiben lassen und im Feuer nicht zerspringen, liegt am Ton selbst. Er ist ein Steinzeug, ein Ton, der bei großer Hitze hart und fast wasserdicht brennt und seinen Platz zwischen dem porösen Steingut und dem glasigen Porzellan hat.
Chen Mingyuan
Im 17. Jahrhundert ging die Ming zu Ende. Mandschurische Reiter aus dem Nordosten nahmen das Land ein und gründeten die Qing, die letzte der kaiserlichen Dynastien Chinas. In ihren frühen Jahren arbeitete Chen Mingyuan.
Ihm geriet alles gleich gut, die glatte Kanne, die figürliche Kanne, das kleine Gerät für den Schreibtisch des Gelehrten. Aus dem Ton formte er Dinge der Natur. Er machte Kannen in Gestalt eines Kürbisses und eines Lotosblattes, band Zweige von Kiefer, Bambus und Pflaume zu einem Bund, der aussah wie ein Scheit Brennholz, und setzte einen kleinen Frosch oder eine Kröte an den Rand des Deckels. Werke wie der Kürbis, das Bündel der drei winterlichen Freunde und die Melone vom östlichen Hügel gelten heute als sein. Von ihm und von Shi Dabin vor ihm sagte ein Vers, 「宮中艷說大彬壺,海外競求鳴遠碟」. Am Hof wurden die Kannen Dabins gerühmt, in Übersee die Schalen Mingyuans gesucht. Selbst seine Signaturen, die er in den noch feuchten Ton schnitt, galten als Kalligraphie.

Hundert Jahre später trat ein Gelehrter selbst an die Werkbank. Chen Mansheng, mit eigentlichem Namen Chen Hongshou, war ein bekannter Maler und Siegelschneider und diente um 1816 als Beamter in Liyang, einer Stadt nahe Yixing. Dort lernte er den Töpfer Yang Pengnian kennen. Die beiden teilten sich die Arbeit. Mansheng entwarf die Formen und schnitt, wenn der Ton noch feucht war, Gedichte und Sinnsprüche in die Wand, Yang Pengnian baute die Kannen. Auf einer ihrer Kannen steht die Zeile 「承沆瀣,潤喉舌,飲之吉」. Sie fängt den Nachttau, sie netzt Kehle und Zunge, ihr Trunk bringt Glück. Eine ihrer Formen, das Jinglan, ging auf ein steinernes Brunnengeländer zurück. Am Boden trugen diese Kannen das Siegel von Manshengs Atelier, Amantuoshi, am Henkel den Namen des Töpfers, Pengnian. So war jede Kanne von Gelehrtenhand entworfen und beschriftet und von Töpferhand gebaut. Achtzehn solcher Formen werden ihm zugeschrieben, die Achtzehn Mansheng-Formen. Mit ihnen wurde die Teekanne zu einem Gegenstand, mit dem sich der gebildete Mann umgab und an dem er seinen Geschmack zeigte. Am Werk schätzte Mansheng weniger die vollendete Technik als den natürlichen, ungezwungenen Reiz.

Nach Chen Mingyuan war die Kanne wieder reich und verspielt geworden. Shao Daheng, der unter den Kaisern Daoguang und Xianfeng arbeitete und schon als junger Mann berühmt war, führte sie zur schlichten Form zurück. Eine seiner Kannen heißt Fanggu, was so viel bedeutet wie Nachahmung des Alten; ihre Gestalt geht auf eine alte Bronzetrommel zurück. Sein Dezhong steht aufrecht und streng, sein Duozhi rund und voll, und keine trägt eine Verzierung. Von seinen Kannen hieß es schon zu seiner Zeit, 「一壺千金,幾不可得」. Eine einzige war tausend Goldstücke wert und kaum zu bekommen.
Im späten 19. Jahrhundert schuf Huang Yulin den Yuhualong, den Fisch, der zum Drachen wird. Am Bauch der Kanne laufen Wellen, und unter dem Deckel schiebt sich ein kleiner Drachenkopf hervor, der sich bewegen lässt. Auch die alte Shuying-Kanne Gongchuns bildete er nach. In denselben Jahren, unter dem Kaiser Tongzhi, entstand in Cicheng bei Ningbo in der Provinz Zhejiang der Yucheng-Ofen. Dort arbeitete der Kalligraph Mei Tiaoding mit den Töpfern He Xinzhou und Wang Dongshi. In Japan wurde Mei der Wang Xizhi der Qing genannt, nach dem größten Meister der chinesischen Schreibkunst. Aus diesem Ofen kamen Kannen von ausgesuchtem Gelehrtengeschmack, noch einmal so fein wie zu Manshengs Zeit. Mit dem Ende der Qing-Dynastie ging diese Linie zu Ende.
1932
1911 stürzte das Kaiserreich. An die Stelle der Qing trat die Republik, und China ging in unruhige Jahrzehnte. In dieser Zeit trug die Yixing-Kanne zum ersten Mal Preise von den großen Ausstellungen des Westens davon.
Cheng Shouzhen zeichnete seine Kannen mit zwei Siegeln, dem einen mit seinem Namen, dem anderen mit dem Beinamen, den er sich gegeben hatte, der Mann mit dem Herzen aus Eis. Mit seiner Duoqiu, einer Kanne aus drei aufeinandergesetzten Kugeln, wurde er 1915 auf der Weltausstellung in San Francisco ausgezeichnet, die zur Eröffnung des Panamakanals abgehalten wurde. Zwanzig Jahre später, 1935, formte Fan Dasheng aus Ton einen Adler und erhielt dafür auf einer großen Kunstausstellung in London eine Goldmedaille. In Yixing entstanden Firmen, die Kannen in größerer Zahl herstellten und in die Welt verkauften, Liyong etwa und Wu Desheng; Wu Desheng gehörte einem Mann namens Wu Hanwen, der die Schrift selbst in die Kannen schnitt.
Im Jahr 1932 wurde eine Reihe junger, geschickter Töpfer nach Shanghai und Hangzhou geholt. Pei Shimin war darunter, Wang Yinchun, der junge Gu Jingzhou, damals noch keine zwanzig, und Jiang Rong. Ihre Aufgabe war es, alte Kannen nachzubilden. Sie arbeiteten nach den überlieferten Stücken von Shi Dabin und Chen Mingyuan, Monate an einem einzigen Stück, und brachten es so weit, dass sich die Nacharbeit vom Vorbild kaum unterscheiden ließ. In Shanghai gab es einen Handel mit alten Kannen, und die Händler bestellten in Yixing, was sie als alt verkaufen wollten. Mancher Käufer suchte ein Stück aus der Ming-Zeit und trug eine Arbeit nach Hause, die wenige Jahre alt war.
So reisten in denselben Jahren Yixinger Kannen mit Goldmedaillen aus dem Ausland heim, und in Shanghaier Hinterzimmern entstanden Kannen, die unter den Namen der alten Meister verkauft wurden. Manche dieser Stücke stehen heute in Sammlungen, unter alten Namen und mit altem Datum. Von welcher Hand sie wirklich stammen, lässt sich oft nicht mehr sagen.
Gu Jingzhou
In den 1950er Jahren ordnete der neue Staat das Handwerk neu. Die privaten Werkstätten gingen in staatliche Hand über, und die einzelnen, verstreuten Kannenmacher von Yixing wurden zusammengefasst, zuerst in einer gemeinsamen Werkstatt, dann in einer großen Manufaktur, der Yixinger Zisha-Manufaktur. Was über Jahrhunderte in einzelnen Familien und Werkstätten weitergegeben worden war, lag nun unter einem Dach.
Sieben alte Meister trugen diese Manufaktur durch ihre ersten Jahre. Ren Gangting, Wu Yungen, Pei Shimin, Wang Yinchun, Zhu Kexin, Gu Jingzhou und Jiang Rong lehrten dort und bildeten eine neue Reihe von Töpfern aus. Jeder hatte sein Fach. Ren Gangting schnitt die Schrift und die Bilder in den Ton, Jiang Rong, die einzige Frau unter ihnen, formte Frösche, Früchte und Lotosblätter.
Dann kam die Kulturrevolution. Zehn Jahre lang, von 1966 an, verfolgte eine politische Bewegung alles, was als alt und gelehrt galt, und die alten Meister gehörten dazu. Gu Jingzhou und andere wurden als reaktionäre Autoritäten angeprangert. Ren Gangting starb 1968. Pei Shimin erlitt im selben Jahr einen Schlaganfall. Wu Yungen, gegen den der Vorwurf stand, eine Waffe versteckt zu haben, nahm sich 1969 das Leben.
Gu Jingzhou überlebte diese Jahre. Geboren 1915 in einem Dorf bei Yixing, hatte er mit achtzehn bei seiner Großmutter das Formen gelernt und als junger Mann in Shanghai jene alten Meister nachgebildet, deren Werke dort als echt verkauft wurden. Nun arbeitete er nach Shi Dabin, nach Chen Mingyuan, nach Shao Daheng, und er kam ihnen gleich. 1948 machte er fünf Kannen der Form Shipiao, einer flachen, schlichten Form; eine behielt er, die anderen vier gab er befreundeten Malern und Kalligraphen, und auf eine setzte Wu Hufan eine Inschrift. In der Manufaktur entwarf er später gemeinsam mit dem Professor Gao Zhuang die Form Tibi, die gehobene Jadescheibe. Seine Kannen stehen kräftig und streng da, ohne jede Zier. Schon in den vierziger Jahren hieß es von ihnen, 「寸壺競有斗米貴」, ein fingergroßer Topf von seiner Hand war so viel wert wie ein Scheffel Reis. 1988 erhielt er den Titel eines Meisters des Kunsthandwerks, die höchste Auszeichnung seines Fachs. Im Alter galt er als der größte Kannenmeister seiner Zeit, von Taiwan und Hongkong bis nach Japan und Korea.

1979 kam der Hongkonger Industrielle Luo Guixiang nach Yixing. Er bestellte Arbeiten bei den Meistern der Manufaktur und schlug ihnen vor, die alten Vorbilder noch einmal nachzustellen. In den Jahren danach, als China sich dem Handel öffnete, trieb die Sammelleidenschaft in Hongkong und Taiwan die Preise für alte und für berühmte Kannen in die Höhe. 2014 brachte ein neunteiliges Teeservice von Gu Jingzhous Hand bei einer Auktion in Beijing 28,75 Millionen Yuan. Ein Jahr später kam ein zehnteiliges Service mit Eichhörnchen und Weintrauben unter den Hammer, für achtzig Millionen Yuan, mit dem Aufgeld für das Auktionshaus rund zweiundneunzig Millionen, umgerechnet mehr als zehn Millionen Euro. Kannen, die seinen Namen trugen, erreichten Preise, wie sie für eine Teekanne zuvor niemand gezahlt hatte.
Glossar
Personen
金沙寺僧 — der Mönch vom Jinsha-Tempel (Name nicht überliefert), Ming, frühes 16. Jh.; früheste fassbare Kannenhand.
供春 Gōngchūn — Dienstjunge des Wu Yishan; schuf die Shuying-Kanne. Familienname Gong.
吳頤山 Wú Yíshān — Gelehrter, in dessen Diensten Gongchun stand.
時大彬 Shí Dàbīn — späte Ming; legte das Bauen aus Tonplatten fest und machte die Kanne klein.
李仲芳 Lǐ Zhòngfāng, 徐友泉 Xú Yǒuquán — Schüler des Shi Dabin.
惠孟臣 Huì Mèngchén — kleine Zhuni-Kannen (Mengchen-Kanne) für den Gongfu-Tee.
陳鳴遠 Chén Míngyuǎn — frühes Qing; Meister der figürlichen Form.
陳曼生 / 陳鴻壽 Chén Mànshēng / Chén Hóngshòu (1768–1822) — Beamter und Siegelschneider; die Achtzehn Mansheng-Formen.
楊彭年 Yáng Péngnián (um 1796–1850) — Töpfer, der Manshengs Formen ausführte.
邵大亨 Shào Dàhēng — Daoguang/Xianfeng; schlichte Formen (Fanggu, Dezhong, Duozhi).
黃玉麟 Huáng Yùlín — spätes Qing; schuf den Yuhualong, stellte die Shuying-Kanne nach.
梅調鼎 Méi Tiáodǐng — Kalligraph, in Japan der "Wang Xizhi der Qing"; Yucheng-Ofen.
何心舟 Hé Xīnzhōu, 王東石 Wáng Dōngshí — Töpfer am Yucheng-Ofen.
程壽珍 Chéng Shòuzhēn — Republik; Duoqiu, ausgezeichnet 1915.
范大生 Fàn Dàshēng — Republik; Goldmedaille London 1935 (Tonadler).
儲南強 Chǔ Nánqiáng — Sammler, der die Shuying-Kanne fand.
陳繼儒 Chén Jìrú — Gelehrter, Umgang mit Shi Dabin.
吳湖帆 Wú Húfān — Maler und Kalligraph; beschriftete eine Shipiao-Kanne Gu Jingzhous.
高莊 Gāo Zhuāng — Professor; entwarf mit Gu Jingzhou die Tibi-Kanne.
羅桂祥 Luó Guìxiáng — Hongkonger Industrieller und Sammler; kam 1979 nach Yixing.
顧景舟 Gù Jǐngzhōu (1915–1996) — größter Kannenmeister des 20. Jahrhunderts.
七大老藝人 die sieben alten Meister: 任淦庭 Rén Gàntíng, 吳雲根 Wú Yúngēn, 裴石民 Péi Shímín, 王寅春 Wáng Yínchūn, 朱可心 Zhū Kěxīn, 顧景舟 Gù Jǐngzhōu, 蔣蓉 Jiǎng Róng.
Orte
宜興 Yíxīng — Kreisstadt im Süden Jiangsus; Herkunft der Kannen. Alter Name 陽羨 Yángxiàn.
丁蜀 Dīngshǔ — Töpferort südlich von Yixing.
太湖 Tàihú — See westlich von Yixing.
顧渚 / 長興 Gùzhǔ / Chángxīng — Berg und Ort in Zhejiang; Tang-zeitliche Tributtee-Manufaktur.
漳浦 Zhāngpǔ — Ort in Fujian; Fundort der datierten Shi-Dabin-Kanne (Grab von 1610).
龍泉 Lóngquán — in Zhejiang; bekannt für Schwerter.
玉成窯 Yùchéng-Ofen — Cicheng bei Ningbo, Zhejiang; Literatenkannen des späten Qing.
Kannenformen
樹癭壺 Shùyǐng-Kanne — "in Gestalt eines Baumknorrens"; Gongchuns Werk.
仿古 Fǎnggǔ — Form nach einer Bronzetrommel.
德鐘 Dézhōng — aufrechte, schlichte Form.
掇只 Duōzhǐ — runde, volle Form (Shao Daheng).
掇球 Duōqiú — drei aufeinandergesetzte Kugeln (Cheng Shouzhen).
魚化龍 Yúhuàlóng — "Fisch, der zum Drachen wird" (Huang Yulin).
井欄 Jǐnglán — Form nach einem steinernen Brunnengeländer (Mansheng-Form).
石瓢 Shípiáo — flache Dreiecksform; Gu Jingzhou machte 1948 fünf davon.
提璧 Tíbì — "gehobene Jadescheibe"; Entwurf Gu Jingzhous mit Gao Zhuang.
孟臣壺 Mèngchén-Kanne — kleine Zhuni-Kanne.
Begriffe und Ton
紫砂 Zǐshā — "purpurner Sand"; der Ton und die Kannenart aus Yixing, ein Steinzeug.
朱泥 Zhūní — roter, dichter Ton für kleine Kannen.
打身筒 dǎ shēntǒng — Aufbau des runden Korpus durch Schlagen einer gebogenen Tonplatte.
鑲身筒 xiāng shēntǒng — Aufbau eckiger Formen durch Fügen zugeschnittener Platten.
阿曼陀室 Āmàntuóshì — Manshengs Atelier; Bodensiegel der Mansheng-Kannen.
工夫茶 Gōngfū-Tee — die Aufgussweise Fujians und Guangdongs, viele kleine Aufgüsse nacheinander.
炻器 / Steinzeug — bei hoher Hitze dicht gebrannter Ton, zwischen porösem Steingut und glasigem Porzellan.
Quellen
《茶經》 Chájīng — "Klassiker des Tees", Lu Yu, Tang.
《陽羨茗壺系》 Yángxiàn Mínghú Xì — erstes Buch über die Yixing-Kannen, Zhou Gaoqi, späte Ming.
* * *


