Wuyi, Herbst 1786
Im Herbst des Jahres 1786 — im chinesischen Kalender das bǐngwǔ-Jahr der Qianlong-Ära — reiste der Dichter Yuan Mei (袁枚, 1716–1798) in das Wuyi-Gebirge im Norden Fujians. Yuan Mei war damals siebzig Jahre alt, schon lange aus dem Beamtendienst zurückgetreten, in seinem Garten Suiyuan bei Nanjing wohnhaft, und hatte einen Ruf als der bedeutendste Lyriker und Essayist seiner Zeit. Er stieg auf den Manting-Felsen und besuchte den Tianyou-Tempel. Im Hof des Tempels blühte der Osmanthus; sein Duft hing in der Luft, leicht süß, ein wenig nach Aprikose. Mönche und Daoisten erschienen und reichten Tee.
Was Yuan Mei dort trank, schrieb er später in seinem Suíyuán Shídān (隨園食單), einem Buch über Speise und Trank, im Abschnitt über Tee nieder:
「余向不喜武夷茶,嫌其濃苦如飲藥然。丙午秋,余游武夷,到曼亭峰、天游寺諸處。僧道爭以茶獻。杯小如胡桃,壺小如香櫞,每斟無一兩,上口不忍遽咽,先嗅其香,再試其味,徐徐咀嚼而體貼之,果然清芬撲鼻,舌有餘甘。一杯之後,再試一二杯,令人釋燥平矜,怡情悅性。始覺龍井雖清而味薄矣,陽羨雖佳而韻遜矣,頗有玉與水晶品格不同之故。故武夷享天下盛名,真乃不忝。且可以瀹至三次,而其味猶未盡。」
Yú xiàng bù xǐ Wǔyí chá, xián qí nóng kǔ rú yǐn yào rán. Bǐngwǔ qiū, yú yóu Wǔyí, dào Màntíng fēng, Tiānyóu sì zhū chù. Sēng dào zhēng yǐ chá xiàn. Bēi xiǎo rú hútáo, hú xiǎo rú xiāngyuán, měi zhēn wú yī liǎng, … qiě kěyǐ yuè zhì sān cì, ér qí wèi yóu wèi jìn.
Er habe den Wuyi-Tee bisher nicht gemocht, schrieb Yuan Mei, weil er ihn zu stark und zu bitter gefunden habe, wie eine Arznei. Im Herbst 1786 aber, auf dem Manting-Felsen und im Tianyou-Tempel, sei ihm der Tee in Schalen so klein wie Walnüsse und aus Kannen so klein wie Bergamotten gereicht worden, jeder Aufguss kaum eine Unze schwer. Er habe nicht hinunterschlucken mögen; erst gerochen, dann geschmeckt, langsam zwischen den Zähnen gerollt. Der Duft sei aufgestiegen, am Zungengrund eine Süße geblieben. Nach einer Schale habe er noch eine zweite, eine dritte gewollt; das Brennen in der Brust sei gegangen, der Geist habe sich beruhigt. Erst da habe er gemerkt, wie dünn dagegen der Lóngjǐng aus Hangzhou und wie ohne Tiefe der Yángxiàn aus Yixing schmeckten — als sei der eine Jade und der andere Bergkristall, beides edel, aber von verschiedenem Charakter. Dreimal habe sich der Wuyi aufgießen lassen, und der Geschmack sei noch nicht erschöpft gewesen.
Yuan Mei beschrieb diese Trinkweise mit einer Genauigkeit, die in keiner früheren chinesischen Quelle so existiert. Er gab ihr aber keinen Namen.
Chaozhou, 1801
Fünfzehn Jahre später, im sechsten Jahr der Jiaqing-Ära, schrieb in einer Amtsstube in Xingning, einer kleinen Stadt im Osten der Provinz Guangdong, ein Beamter namens Yu Jiao (俞蛟) ein Buch zu Ende. Er stammte aus Shanyin im heutigen Zhejiang; er war Untersekretär, ein niederer Posten. In den Jahren seines Dienstes zwischen 1793 und 1800 hatte er die sechseckigen Bambusboote — liù péng chuán (六篷船) — auf den Flüssen um Chaozhou und Jiaying gesehen, hatte die Singfrauen darauf getroffen, hatte ihre Lieder gehört und ihre Teezubereitung beobachtet. Er nannte sein Buch Cháojiā Fēngyuè Jì (潮嘉風月記), "Aufzeichnungen über Wind und Mond zwischen Chao und Jia". In einem der Kapitel beschrieb er das, was die Frauen auf den Booten taten, wenn ein Gast kam und sie für ihn Tee bereiteten:
「工夫茶,烹治之法,本諸陸羽《茶經》,而器具更為精緻。」
Gōngfū chá, pēng zhì zhī fǎ, běn zhū Lù Yǔ Chájīng, ér qìjù gèng wéi jīngzhì.
Gōngfū-Tee, schrieb er, sei eine Zubereitungsart, die auf Lu Yus Chájīng aus dem 8. Jahrhundert zurückgehe, deren Geräte aber feiner gearbeitet seien. Es folgte eine genaue Beschreibung: ein kleiner Tonofen, eine kleine Tonkanne, kleine Porzellanschalen, abgemessenes Wasser, gezählte Aufgüsse. Die Beschreibung deckte sich mit dem, was Yuan Mei fünfzehn Jahre zuvor in den Wuyi-Bergen erlebt hatte. Yu Jiao gab dieser Trinkweise einen Namen.
Iřḳaülëu̇ saß auf dem Heck eines der sechseckigen Boote, in einer Nacht im Frühsommer 1801. Eine rote Lampe hing am Bug. An einer dünnen Stange am Vorderteil des Bootes baumelten zwei oder drei Blüten von Jasmin, vermutlich von Hand gebunden. Eine Frau mit einer kleinen Tonkanne goss heißes Wasser über den Tee; das Wasser zischte, weil die Kanne fast bis an den Rand erhitzt worden war. Iřḳaülëu̇ hörte zum ersten Mal die drei Silben gōng-fū-chá, im weichen Akzent des Min-Süd-Dialekts. Er trank nicht. Er sah die Frau die Schalen einmal, zweimal, dreimal füllen.
Yánchá, 1734
Yu Jiao war nicht der Erste, der das Wort gōngfū aufgeschrieben hatte. Siebenundsechzig Jahre vor seinem Buch, im Jahr 1734, nahm ein anderer Beamter — Lu Tingcan, ehemaliger Magistrat von Chong'an im Wuyi-Gebirge — in seinem Xù Chájīng eine berühmt gewordene Stelle auf:
「兩山又以所產之巖為名,其最佳者,名曰工夫茶。」
Liǎng shān yòu yǐ suǒ chǎn zhī yán wéi míng, qí zuì jiā zhě, míng yuē gōngfū chá.
Beide Berge — der Nord- und der Südhang — benannten ihre Tees nach dem Felsen, auf dem sie wuchsen. Der allerbeste Felsentee aber trage den Namen gōngfū-Tee.
In Lu Tingcans Sortierung von 1734 stand gōngfū für eine bestimmte Klasse von Wuyi-Felsentee — die Klasse der sorgfältig verarbeiteten Tees, mehrfach gesiebt, mehrfach gerollt, mehrfach gefeuert. Eine Trinkweise meinte das Wort hier nicht; es bezeichnete ein Stück Ware, einen Tee in der Kiste. Über dem gōngfū stand nur noch der xiǎozhǒng, der Tee von einem einzelnen, namentlich bekannten Baum, von dem in einer Geländekammer im Jahr nicht mehr als ein paar Liang gepflückt wurden.
Eine kleinere Schrift desselben Jahrhunderts, Piànkè Yúxián Jí von Liu Jing, fächerte die Stufenleiter feiner auf: alter Stamm-xiǎozhǒng, xiǎozhǒng, xiǎozhǒng-gōngfū, gōngfū, gōngfū-huāxiāng, huāxiāng. Sechs Stufen. Gōngfū und xiǎozhǒng verschachtelten sich miteinander, einer an den anderen gehängt; jede Stufe hatte einen Namen, der die nächste enthielt.
In den Brennöfen — den bèilóng (焙籠), zylinderförmigen Bambuskörben halber Mannshöhe, in denen die Felsentees über glimmender Holzkohle langsam getrocknet wurden — ließen sich die Stufen voneinander trennen. Die Bambusgeflechte der bèilóng waren von Teesaft dunkelbraun gefärbt, an manchen Stellen schwarz von Brandflecken. In jedem Brennofen drehte sich ein anderes gōngfū.
Im Hafen von Xiamen, eine kurze Wiederbegegnung
Wie das Wort den Hafen von Xiamen verließ und in das Englische überging, ist im Souchong-Aufsatz an dieser Stelle nachzulesen. Hier nur der eine Faden, der in dieser Geschichte weiterläuft.
Im Hokkien, dem Min-Süd-Dialekt, der am Kai von Xiamen gesprochen wurde, sagten die Männer kang-hu zu jenen Wuyi-Tees, die mehrfach gesiebt und gerollt worden waren. Der holländische oder englische Schreiber an seinem Pult hörte kang-hu und schrieb Congou. Im September 1706 öffnete Thomas Twining in der Strand-Straße in London ein Geschäft; in seinem ersten Sortimentsverzeichnis standen achtzehn Sorten Tee, drei davon waren Congou. Im Dezember 1773, in einer kalten Nacht im Hafen von Boston, gingen Kisten mit Congou zusammen mit Bohea und Souchong ins Wasser.
In den europäischen Listenbüchern verschob sich das Wort. Auf der englischen Stufenleiter — Pekoe, Pekoe-Souchong, Souchong, Congou, Bohea, von der Knospe nach unten zum vierten und fünften Blatt — stand Congou an vorletzter Stelle, fast unten. Das chinesische Wort, das in den Wuyi-Bergen noch eine Klasse sorgfältiger Verarbeitung bezeichnet hatte, bezeichnete in einer Londoner Auktionshalle ein gröberes Blatt, eine geringere Qualität, einen Tee zum Aufgießen ohne Anspruch.
In den 1840er Jahren begannen britische Tee-Händler, Congou mit Pekoe und Pouchong in einer Mischung zu vermengen, die sie English Breakfast nannten. Ein amerikanisches Handelsblatt von 1884 verzeichnete die Mischung als bereits etabliert; ältere Zeitungsnotizen schoben den Ursprung bis ins Jahr 1844 zurück. Congou — mehrfach gesiebt, mehrfach gerollt, mit einem Namen, der auf Chinesisch "die Arbeit, die hineingelegt wurde" bedeutete — war zur Grundlage des Frühstückstees auf den Tischen britischer Bürgerhäuser geworden. Die Hand, die in der Strand-Straße morgens den Wasserkessel aufsetzte, sprach das Wort nicht aus. Sie kannte den Tee nur als braunes Pulver in einer Blechdose mit goldenem Schriftzug.
Die Loslösung vom Felsentee
Mit dem Ende der Qing-Dynastie 1912 und dem Beginn der Republikzeit veränderte sich in China die Klassifikation der Tees. Was Lu Tingcan 1734 als drei Klassen Wuyi-Felsentee aufgereiht hatte — yánchá, gōngfū, xiǎozhǒng — wurde im Lauf von zwei Generationen aufgetrennt. Yánchá fiel in die Kategorie qīngchá (青茶), den halbfermentierten Tee, der heute im Westen unter dem Namen Oolong bekannt ist. Gōngfū und xiǎozhǒng hingegen wanderten in die Kategorie hóngchá, den vollständig oxidierten Schwarztee. Der Wuyi-Felsentee war nicht mehr die Mutter aller drei Klassen; jede Klasse hatte ihre eigene Familie gefunden.
Innerhalb der gōngfū hóngchá — der Gongfu-Schwarztees — entstand in der Republikzeit und dann in der Volksrepublik eine geographische Vielfalt, die in keinem Lu-Tingcan-Buch des 18. Jahrhunderts vorgesehen gewesen wäre. Sieben Provinzen entwickelten je eigene Gongfu-Linien:
- Mǐnhóng Gōngfū (閩紅工夫) — aus Fujian: die drei Linien von Tanyang, Zhenghe und Bailin
- Qíhóng Gōngfū (祁紅工夫) — aus Anhui: ab 1875 in Qimen
- Diānhóng Gōngfū (滇紅工夫) — aus Yunnan: ab 1938 in Fengqing
- Chuānhóng Gōngfū (川紅工夫) — aus Sichuan
- Yíhóng Gōngfū (宜紅工夫) — aus Hubei: aus dem Bezirk Yichang
- Nínghóng Gōngfū (寧紅工夫) — aus Jiangxi: aus Xiushui
- Húhóng Gōngfū (湖紅工夫) — aus Hunan: aus Anhua
Sieben Provinzen, sieben Adjektive vor demselben Wort. Die Tees stammten aus verschiedenen Bergen, aus verschiedenen Klimaten, aus verschiedenen Pflanzenvarietäten — die Tees aus Yunnan von der großblättrigen Assam-Variante, die aus Anhui und Fujian von der kleinblättrigen chinesischen. Was sie teilten, war eine Verarbeitungsidee: vielfaches Sieben, vielfaches Sortieren, eine sehr genaue Unterscheidung der Klassen, und am Ende ein Zusammenmischen.
Iřḳaülëu̇ stand auf der Straße vor einer Teehandlung in Fuzhou, Frühling 1936. Über der Tür hing ein hölzernes Schild mit roten Schriftzeichen auf weißem Grund, Fú Mào Tea Company; die Buchstaben in lateinischer Schrift darunter wiesen auf den Exportmarkt. Im Schaufenster lagen sieben Blechdosen mit aufgeklebten Etiketten: 閩紅工夫, 祁紅工夫, 滇紅工夫, 川紅工夫, 宜紅工夫, 寧紅工夫, 湖紅工夫. Iřḳaülëu̇ las die Schriftzeichen einmal. Hinter der Schaufensterscheibe lag ein toter Schmetterling auf dem Sims; einer der Flügel war eingeknickt.
Ein Buch von 1960
Im Jahr 1960 erschien in Peking, im Verlag der Leichten Industrie, ein Buch mit dem Titel Zhì Chá Gōngyì Xué (制茶工藝學), "Lehre von der Verarbeitungstechnik des Tees". Der Verfasser hieß Wang Zhongyin (王鐘音). Wang gehörte zur ersten Generation der Tee-Wissenschaftler, die nach der Gründung der Volksrepublik die traditionellen Verarbeitungsmethoden des chinesischen Tees systematisch dokumentierten. Sein Buch war das erste umfassende Werk dieser Art in der neuen Republik, achthundert Seiten stark, mit Diagrammen, Tabellen, Vergleichszahlen aus der Sowjetunion, aus Indien, aus Ceylon. Im achten Kapitel, das dem Schwarztee gewidmet war, stand am Anfang des zweiten Abschnitts ein Satz, der die Welt-Schwarzteeproduktion in zwei Hälften teilte:
「紅茶精制總的有兩種方法。一種為中國所采用的工夫茶制法。所謂"工夫茶",即茶葉經過繁複的篩分,分成許多檔茶,最後仍拼和在一起,成為一種產品出廠,此法花費制造人工很大。另一種為分級茶制法,我國台灣和蘇聯、印度、錫蘭、印尼等國都是采取這種做法。」
Hóngchá jīngzhì zǒng de yǒu liǎng zhǒng fāngfǎ. Yī zhǒng wéi Zhōngguó suǒ cǎiyòng de gōngfū chá zhì fǎ. Suǒwèi gōngfū chá, jí cháyè jīngguò fánfù de shāifēn, fēn chéng xǔduō dǎng chá, zuìhòu réng pīnhé zài yīqǐ, chéng wéi yī zhǒng chǎnpǐn chū chǎng, cǐ fǎ huāfèi zhìzào réngōng hěn dà. Lìng yī zhǒng wéi fēnjí chá zhì fǎ, wǒguó Táiwān hé Sūlián, Yìndù, Xílán, Yìnní děng guó dōu shì cǎiqǔ zhèzhǒng zuòfǎ.
Die Endveredelung von Schwarztee, schrieb Wang, geschehe auf zwei Wegen. Der eine, den China gehe, heiße gōngfū-Tee-Methode: Die Blätter durchliefen eine vielfache Siebung, würden in viele Klassen aufgeteilt, am Ende aber wieder zusammengemischt und als ein einziges Produkt ausgeliefert. Diese Methode, schrieb Wang in sieben Schriftzeichen, kostet die Herstellung sehr viel Hand-Arbeit — huāfèi zhìzào réngōng hěn dà. Der andere Weg, den Taiwan, die Sowjetunion, Indien, Ceylon, Indonesien gingen, heiße Klassen-Tee-Methode: Die Klassen würden getrennt ausgeliefert, jede für sich ein eigenes Produkt.
Wang Zhongyin verwendete in seinem Buch keine Etymologie, keine Sprachgeschichte, keine Spekulation über die Bedeutungswanderung des Wortes. Er schrieb über Siebmaschen, Trockentemperaturen, Rollzeiten. Aber in seinen sieben Schriftzeichen — huāfèi zhìzào réngōng hěn dà — saß die Bedeutung des Wortes gōngfū in ihrer wörtlichsten Form. Hand-Arbeit. Zeit-Arbeit. Die Stunden, die ein Mensch hineinlegt.
Iřḳaülëu̇ saß Wang Zhongyin gegenüber an einem Schreibtisch im Pekinger Sommer 1959. Wang schrieb mit einem Füllfederhalter; auf dem Papier blieben gelegentlich kleine Tinten-Höfe, weil die Luft im Büro feucht war. Wang schrieb in traditionellen Schriftzeichen, obwohl die Schriftreform in der Volksrepublik damals schon im Gang war; er war 1900 oder 1905 geboren und hatte das Schreiben in den klassischen Formen gelernt. Iřḳaülëu̇ sah, wie das Zeichen 工 unter Wangs Feder Strich für Strich entstand, und daneben 夫, langsamer geschrieben, mit einer feinen Verschattung am letzten Strich.
Zwölf Schritte
Was Wang Zhongyin im achten Kapitel seines Buches beschrieb, waren die zwölf Schritte, die ein gōngfū hóngchá der Hauptklasse — der běnshēn chá (本身茶) — durchlief, nachdem die Blätter aus der Erstverarbeitung in die Veredelungsfabrik gekommen waren. Zwölf Schritte zwischen den welken, gerollten, oxidierten und getrockneten Blättern und der versiegelten Holzkiste mit dem Schriftzug 工夫 auf der Außenseite.
1. Máo shāi (毛筛) — eine Hand führte den groben Sieb über das Brett. Die Blätter sortierten sich nach Größe; die längeren blieben oben, die kürzeren fielen durch. Der Staub fiel zu Boden.
2. Fēn shāi (分筛) — eine zweite Hand teilte die durchgefallenen Blätter weiter auf, drei oder vier Maschenstärken, drei oder vier Klassen. Die Hand wog die Klassen mit dem Auge.
3. Jǐn mén shāi (紧门筛) — ein Sieb mit engem Geflecht, das nur die gleichmäßig geformten Blätter durchließ. Was zurückblieb, ging in den Sortierkreislauf zurück. Die Hand, die das enge Sieb führte, war eine andere als die, die das grobe geführt hatte; im Werkraum standen drei oder vier Männer nebeneinander, jeder über seinem Tisch, jeder über seinem Sieb.
4. Dì yī liào shāi (第一撩筛) — eine Hand fuhr mit einem flachen Sieb in einer schaukelnden Bewegung vor und zurück, und die langen, drahtartigen Blätter sammelten sich am Rand. Liào hieß der Name dieser Bewegung; das Wort enthielt die Idee von "auflesen", "an die Oberfläche bringen". Die langen Blätter waren die teuersten — sie zeigten, dass die Pflückung sorgfältig gewesen war und das Rollen die Blattform nicht zerstört hatte.
5. Fēng xuǎn (风选) — der Sortiertisch hatte einen Schlitz, durch den Luft von unten geblasen wurde. Die schweren Blätter fielen gerade hinunter; die leichteren — Bruchstücke, gelbliche Fragmente, Blattmehl — wurden vom Luftstrom seitlich getragen und fielen in einen anderen Behälter. Eine Hand öffnete und schloss eine kleine Klappe, je nachdem, wie stark der Luftstrom sein sollte. Das Geräusch im Werkraum war ein konstantes Rauschen.
6. Jī jiǎn (机棟) — die Maschine wählte die groben Stiele heraus. Die Blätter fielen durch eine Reihe gegeneinander rotierender Walzen, und die Stiele, die härter als die Blätter waren, wurden ausgeschieden und in einen seitlichen Behälter geworfen. Die Maschine arbeitete schnell, aber sie übersah einiges.
7. Dì èr liào shāi (第二撩筛) — eine zweite Runde des liào, mit einem feineren Sieb. Was die Maschine geschickt hatte, wurde noch einmal nachsortiert.
8. Shǒu jiǎn (手棟) — eine Hand fuhr durch das Sieb und zog mit den Fingerspitzen heraus, was die Maschine übersehen hatte. Ein einzelner Stiel, kaum dicker als ein Streichholz, wurde zwischen Daumen und Zeigefinger gezogen und in einen kleinen Becher gelegt. Drei oder vier Frauen saßen an einem langen Tisch, jede vor einem Sieb, jede mit einem kleinen Becher neben sich. Am Ende eines Arbeitstages wog der Becher zwei Liang, hundert Gramm. Die Frauen, die diese Arbeit taten, hatten Fingerspitzen, die sich vom Tee dunkler gefärbt hatten als der Rest der Hand.
9. Zú gān (足干) — ein letztes Trocknen. Die sortierten Blätter kamen noch einmal in einen niedrigen Brennofen, langsam, bei niedriger Temperatur, achtzig oder fünfundachtzig Grad Celsius. Die Hand, die den Ofen öffnete und schloss, prüfte die Trockenheit, indem sie ein paar Blätter zwischen den Fingern zerrieb. Wenn sie zu Staub zerbrachen, war der Tee fertig.
10. Qīng fēng (清风) — ein letzter Luftgang. Was an Staub aus dem letzten Trocknen geblieben war, wurde noch einmal aussortiert. Die Klappen am Sortiertisch waren weit geöffnet; das Rauschen war stärker als beim ersten Mal.
11. Pīn duī (拼堆) — auf einem flachen Holzboden, vielleicht zehn Quadratmeter groß, wurden die einzelnen Klassen — die langen Blätter aus dem ersten liào, die gleichmäßigen aus dem engen Sieb, die kleineren aus den späteren Klassen — in den vorgesehenen Anteilen ausgegossen. Die Anteile waren festgelegt; sie ergaben am Ende den Charakter eines bestimmten Tees, einer bestimmten Marke. Eine Hand mit einem hölzernen Rechen mischte die Schichten gegeneinander, geduldig, ohne Eile. Pīn hieß "zusammenfügen"; duī hieß "Haufen". Aus den vielen Klassen wurde wieder ein Tee.
12. Chéng xiāng (成箱) — eine zwölfte Hand schaufelte den fertigen Tee in eine Zedernholzkiste, drückte ihn behutsam zusammen, legte eine Lage Aluminiumfolie obenauf, schloss den Deckel und nagelte ihn mit vier Nägeln fest. Auf der Außenseite der Kiste stand mit Pinseltusche ein Wort: 工夫. Iřḳaülëu̇ sah zu. Die Hand, die die Nägel eingeschlagen hatte, ging zur nächsten Kiste.
Die Hand neben der Maschine
Die andere Methode, die Wang Zhongyin in seinem Buch erwähnte — die Klassen-Tee-Methode, fēnjí chá —, brauchte diese zwölf Schritte nicht. In Taiwan, in Sumatra, in Assam, auf Ceylon, in Georgien wurden die Klassen voneinander getrennt ausgeliefert; jede Klasse galt als eigenes Produkt mit eigenem Preis und eigener Marktbestimmung. Was die englischen, holländischen, sowjetischen Auktionshäuser an Tee verkauften, ließ sich in Buchstaben kürzen: OP, BOP, FBOP, BOPF, Fannings, Dust. Eine Hand, die in einer dieser Fabriken arbeitete, kannte die Buchstaben, nicht die Klassen einer pīn-duī-Mischung.
In den Werkhallen der chinesischen gōngfū-Fabriken stand 1960 die Walzenmaschine — der gusseiserne Roller mit dem grünen Anstrich, der über einen Lederriemen von einer Welle in der Decke angetrieben wurde — neben den Holzbrettern, auf denen die Hand-Sortierung stattfand. Eine ältere Arbeiterin, die Ärmel bis über die Ellenbogen hochgekrempelt, schaufelte das Welkgut in den Trichter der Walzenmaschine; die Maschine drehte sich, gab ein gleichmäßiges Brummen ab, und die gerollten Blätter fielen unten heraus. Drei Schritte weiter, an einem Tisch unter einem Fenster, saß eine andere Arbeiterin und las mit den Fingerspitzen Stiele aus einem Sieb.
Iřḳaülëu̇ stand zwischen den beiden. Er sah nach links, dann nach rechts, dann wieder nach links. Das Brummen der Maschine und das Rascheln der Hand am Sieb hatten unterschiedliche Frequenzen.
GB/T 13738.2-2017
Im Jahr 2017 verabschiedete die staatliche Normungsbehörde der Volksrepublik China den Teil 2 der nationalen Norm GB/T 13738, betreffend den gōngfū hóngchá. Acht Druckseiten. Hauptverfasser: Weng Kun, Shen Hong, Zhao Yuxiang, alle vom Forschungsinstitut für Tee der Allchinesischen Genossenschaftszentrale in Hangzhou. Die Norm definierte zwölf Qualitätsstufen, von der Sonderklasse bis zur elften Klasse. Sie beschrieb die Verarbeitungsschritte als Welken, Rollen, Oxidation, Trocknen, gefolgt von einer Veredelung durch Sortierung — die zwölf Schritte, die Wang Zhongyin 1960 in seinem Buch aufgereiht hatte, jetzt in der Sprache eines Verwaltungsdokuments.
Im Jahr 2023 nahm die Internationale Organisation für Normung in Genf eine Klassifikation der Tees an, die die chinesische sechsteilige Tee-Systematik in das internationale Regelwerk übersetzte. Innerhalb der Kategorie Schwarztee unterschied die ISO-Norm vier Untergruppen: traditioneller Schwarztee, gebrochener Schwarztee, Gongfu Black Tea, xiǎozhǒng-Schwarztee. Ein chinesisches Wort, das 1734 in Lu Tingcans Xù Chájīng eine Klasse von Wuyi-Felsentee bezeichnet hatte und 1801 in Yu Jiaos Cháojiā Fēngyuè Jì eine Trinkweise an einem südchinesischen Fluss, war in der Sprache der Welt-Teeindustrie eine Untergruppe geworden, mit einer eigenen Norm-Nummer.
Drei Geburten eines Wortes
1734, Wuyi: ein Wort für eine Klasse Tee aus den Felsen.
1801, Chaozhou: ein Wort für eine Trinkweise auf einem sechseckigen Boot.
1960, Peking: ein Wort für zwölf Schritte einer Verarbeitung.
Das chinesische Schriftzeichen 工 zeigt nach den ältesten überlieferten Formen einen Werktisch mit zwei Stützen, oder ein Winkelmaß, oder eine Säge — in jedem Fall ein Werkzeug. Das Schriftzeichen 夫 zeigt einen Mann, der die Arme zur Seite ausbreitet, als wolle er etwas tragen oder einen Raum vermessen. Gōngfū zusammen heißt: das, was ein Mann mit seinem Werkzeug in der Zeit tut. Ein Bauer im Wuyi-Gebirge, der eine Klasse Felsentee pflegte. Eine Frau auf einem Boot in Chaozhou, die eine kleine Tonkanne dreimal aufgoss. Eine Hand in einer Werkhalle in Fujian, die einen Stiel zwischen Daumen und Zeigefinger aus einem Sieb zog.
Wer eine Tasse Gongfu-Schwarztee in einer Hamburger Küche aufgießt, gießt in der Gegenwart der Tasse die Stunden auf, die in der Vergangenheit der Tasse hineingegangen sind: dreihundert Jahre Sortierung, Siebung, Wiegung, Mischung. Im Wort selbst steht es geschrieben.
Glossar
- 袁枚 (Yuán Méi) — chinesischer Dichter und Essayist (1716–1798); Verfasser des Suíyuán Shídān (1792).
- 俞蛟 (Yú Jiāo) — Beamter und Erzähler aus Zhejiang, geboren 1751; Verfasser des Cháojiā Fēngyuè Jì (vollendet 1801).
- 陸廷燦 (Lù Tíngcàn) — Beamter aus dem frühen 18. Jahrhundert, Magistrat von Chong'an in Wuyi (1717–1722); Verfasser des Xù Chájīng (1734).
- 王鐘音 (Wáng Zhōngyīn) — Tee-Wissenschaftler der Volksrepublik China; Verfasser des Zhì Chá Gōngyì Xué (1960).
- 工夫 (gōngfū) — wörtlich "Arbeit" und "Mann"; in der Tee-Sprache je nach Kontext: Klasse Wuyi-Felsentee (18. Jh.); Zubereitungsweise (ab 1801); chinesische Veredelungsmethode für Schwarztee (ab 20. Jh.).
- 本身茶 (běnshēn chá) — die Hauptklasse der gōngfū-Schwarztees, die zwölf Veredelungsschritte durchläuft.
- 拼堆 (pīn duī) — wörtlich "zusammen-Haufen"; der Schritt, in dem die einzelnen Klassen zu einem fertigen Tee gemischt werden.
- 六篷船 (liù péng chuán) — sechseckige Bambusboote auf den Flüssen Ostguangdongs, im 18. und 19. Jh. unter anderem als Bordelle und Teestuben genutzt.
- English Breakfast — englische Schwarztee-Mischung, ab 1844 nachweisbar; ursprünglich aus chinesischen Gongfu-, Pekoe- und Pouchong-Tees.
- Congou — englische Umschrift des chinesischen gōngfū über das Hokkien kang-hu; ab dem frühen 18. Jahrhundert in englischen Auktionsbüchern.
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